
Themenwechsel
Liebe Freunde,
auf den nächsten Seiten wird die "Hölle auf Erden" beschrieben. Man könnte es auch durchaus die "Höllen auf Erden" nennen. Die Höllen, die wir uns täglich selber zubereiten...Bevor wir aber die Menschen und Organisationen verurteilen, die die Welt mit Krieg überziehen sollten wir uns an die "eigene Nase" fassen und mal "in uns gehen".
Vielleicht helfen ja die anliegenden Texte und Beiträge uns selber besser zu verstehen und zu handeln. Man muss nicht Buddhist sein, um das, was da steht zu verstehen......
Einfach hinsetzen und achtsam lesen!
|
METTA SUTTA – Sutta der Allgüte Sri Gnanawimala Maha Thero (Auszug aus “Das Licht der Lehre)
Unser heutiger Vortrag handelt von der Metta Sutta, der Sutta der allumfassenden Herzensgüte. Es ist ein einfaches, kleines Gedicht von zehn Strophen und enthält doch so viel Weisheit. Zweieinhalbtausend Jahre ist es alt und doch so brennend gegenwartsnah. Unsere Welt droht heute in Mißtrauen, Angst und Haß zu ersticken, und die Menschen hungern geradezu nach ein wenig Freundlichkeit, Mitgefühl und Herzenswärme. Vielleicht hat unsere Gesellschaft nichts so bitter nötig wie die Erweckung und Entfaltung von Güte. Aber die Gesellschaft ist ja nur der Spiegel, in dem wir unser eigenes Wesen erblicken. Deswegen sollten wir nicht unsere Umwelt wegen ihrer Lieblosigkeit anklagen, sondern den Schmutz des Hasses in uns selbst beseitigen. Das Metta- Sutta gibt uns hierzu die nötige Anleitung.
KARANIYAM ATTHAKUSALENA- das heißt wörtlich: "Dies soll ein Mensch tun, der sein Bestes sucht." Ihr Bestes wollen ja alle Wesen, alle wollen zufrieden und glücklich sein, wollen geliebt werden, wollen frei sein von Kummer und Schmerz. Hoffnungen und Strebungen, Willensregungen und Taten der Wesen sind einzig darauf gerichtet, ihr Wohlbefinden zu heben. Warum irren die Wesen aber oft so schrecklich in ihrem Bemühen, das Beste zu erreichen? Warum fügen sie sich soviel Leid zu? - Weil sie den geraden Weg zu ihrem Ziel nicht erkennen können.
Wegen dieser Unwissenheit schaden sie sich selbst und anderen. Im Grunde genommen ist ein Übeltäter gar nicht schlecht, sondern eher blind; es mangelt ihm einfach an genug Intelligenz, die Folgen seines Tuns zu überblicken. Er sieht nur den kleinen Vorteil des Augenblicks und nicht das Leid, das er sich unvermeidlich dafür einhandelt. Könnte man ihm klar begreiflich machen, daß die Wirkung jeder Tat letztlich den Täter selbst trifft, so würde er unverzüglich sein übles Tun aufgeben. Die Schriften berichten von einem solchen Fall: Ein einziges Gespräch mit dem Voll-Erwachten öffnete dem Massenmörder Angulimalo derart die Augen, daß er den Wahnsinn und die Heillosigkeit seines Tuns durchschaute, als Mönch in den Orden eintrat und in kürzester Zeit Heiligkeit erlangte.
Wenn wir nun
den Mörder, den Dieb, den Lügner hassen, wo wir ihn doch eher bedauern
müßten, so zeigt dies nur, daß wir selbst blind sind und unser eigenes
Heil nicht kennen. Am Übeltäter entzündet sich ja nur der Haß, in uns
selbst aber brennt er und schafft unmittelbares
1. Rechte Lebensführung (sila), 2. Rechte Geistessammlung (samadhi) und 3. Rechtes Wissen (pañña).
Wie bei jeder buddhistischen Geistesübung bildet also auch hier untadeliger Lebenswandel die Übungsgrundlage. Niemand kann in der Güte- Meditation Fortschritte erwarten, wenn er sich nicht gleichzeitig im Alltagsleben um die Überwindung von Ich- Sucht, Gleichgültigkeit und Lieblosigkeit bemüht. Im ersten Teil des Suttas werden 14 Faktoren des Rechten Lebenswandels genannt, die im Laufe der Übung zu entwickeln und zu vervollkommnen sind:
1. SAKKO: die Fähigkeit, Regeln zu befolgen, 2. UJIJ: Ehrlichkeit, 3. SUJÜ: Aufrichtigkeit sich selbst gegenüber. 4. SUVACO: Gehorsam, 5. MUDU: Geduld, 6. ANATIMANI: Sanftmut, 7. SANTUSSAKO: Zufriedenheit, 8. SUBHARO: Friedfertigkeit, 9. APPAKICCO: Ausgeglichenheit. 10. SALLAHUKAVUTTI: Bedürfnislosigkeit, 11. SANTINDRIYO: Sinnesbeherrschung, 12. NIPAKO: Geistesklarheit, 13. APPAGABBHO: Unaufdringlichkeit und 14. KULESU ANA NUGIDDHO: Unparteilichkeit.
Im zweiten Teil der dritten Strophe beginnt bereits die meditative Übung mit der Erweckung gütiger Gedanken: "Im Glück und im Genuß des Friedens weilend, so mögen alle Wesen glücklich sein." - Wesen gibt es ja unendlich verschiedene und viele. Was überhaupt dem Verstand an Existenzformen vorstellbar ist, wird hier in die Güte- Übung einbezogen: schwache und starke Lebewesen, große und kleine, sichtbare und unsichtbare, nahe und fern weilende, geborene und gerade erst entstehende. Dabei soll der Übende zunächst an kein bestimmtes Einzelwesen denken, sondern sich eben auf das Gemeinsame aller Lebensformen besinnen, er soll sich in allen Wesen wiedererkennen: "Alle diese Wesen fühlen ja genau so wie ich; sie fürchten Kummer und Schmerz und sehnen sich nach Liebe, Glück und Geborgenheit. Nur aus Unwissenheit fügen wir einander so viel Leid zu. In Wahrheit aber sind wir alle Brüder auf der Suche nach dem Zuhause, der Stätte des Friedens, wo allumfassende Liebe und allumfassende Weisheit uns einmal vereinen wird. Wir sollten einander lieben, statt uns im Haß zu zerfleischen." So erweckt er gegen alles Lebende die gütige Gesinnung:
"Mögen alle Wesen frei sein von Haß, Bedrückung und Beklemmung! Mögen sie ihr Dasein glücklich verbringen! Möge alles, was atmet, alle Geschöpfe, alle Individuen, alle im persönlichen Dasein Einbegriffenen, frei sein von Haß, Bedrückung und Beklemmung. Ach, möchten alle Wesen doch glücklich sein, voll Frieden, im Herzen ganz von innerem Glück erfüllt!"
Hat er auf diese Weise gütige Gesinnung gegen alles Lebende erweckt und mit aller Kreatur seinen Frieden gemacht, so wünscht der Übende, daß sich die Wesen auch untereinander kein Leid zufügen mögen. Dies ist der Inhalt der sechsten Strophe. Der Übende soll nun untersuchen, ob die so erweckte Güte auch uneigennützig und vorurteilsfrei ist. Als Beispiel echter, selbstloser Liebe nennt die siebente Strophe die Mutterliebe. Wenn man fähig ist, diese der Mutterliebe gleichende Güte aller Kreatur gegenüber zu empfinden, hat man ehrliche, echte Herzensgüte in sich erweckt.
Nun soll der Übende die erweckte Herzensgüte in sich entfalten und stark werden lassen und die so gewonnene Güte- Energie ausstrahlen. Hierzu gibt der Kommentar im Visuddhi-Magga genaue Anweisungen. Zunächst einmal soll man bei sich selbst beginnen und das eigene Ich- Wesen mit Güte durchsättigen: "Alles Leid möge mir schwinden, Glück und Zufriedenheit mögen zunehmen, möge mein Leben glücklich verlaufen."
Warum aber beginnt man die Güteausstrahlung bei sich selbst? Weil der, der schon mit sich selbst in Unfrieden lebt, unmöglich auf andere Güte überstrahlen kann. Es gibt einen Haß gegen die eigene Person, der sich in Friedlosigkeit, Gefühlen der Minderwertigkeit und sinnlosen Selbstvorwürfen äußert. Dieser Selbsthaß muß zuallererst überwunden werden, dabei soll er aber nicht in das andere Extrem engherziger Eigenliebe umschlagen. Deshalb ist jene zuvor beschriebene Übungsstufe so wichtig, in welcher der Übende sein eigenes Ich-Wesen als einen Teil der lebendigen Kreatur neben Milliarden anderer Brüder-Wesen sehen lernt. Frei von Eigensucht und selbstischer Vorliebe durchstrahlt er das Ich-Wesen nur deshalb als erstes, weil es von allen Wesen das naheste und zugänglichste ist. Indem er sich aber selbst mit Güte durchdringt und durchsättigt, kommt er in den Genuß friedvollen Glücks und beginnt durch unmittelbares Erleben den köstlichen Segen einer gier- und haßfreien Gesinnung zu begreifen.
Wer nun aber die Güte so weit entfaltet hat, den drängt es, auch die anderen Wesen an seinem Glück teilhaben zu lassen. Denn er denkt sich: "Solange Haß und Unfrieden in mir war, solange war ich blind und kannte nicht mein Bestes. Nun aber erlebe ich in mir selbst den hohen Segen der Güte. Könnten doch alle Wesen gleiches empfinden, könnten wir doch gemeinsam all unsere Angst und Kümmernis im Meer der Liebe versenken und im Frieden der Allgüte verweilen!" So beginnt er, nachdem er sich selbst mit Güte durchsättigt hat, Güte- Energie auf andere Wesen überzustrahlen.
Hierbei ist folgendes zu beachten: Die Güte, sofern sie noch schwach entwickelt und nur auf die eigene Person bezogen ist, gleicht einem gerade erst entfachten Feuer. Legt man auf dieses nun sofort einen dicken feuchten Holzkloben, so wird das Feuer ersticken, ehe der Holzkloben auch nur erwärmt worden ist. Deshalb muß man das Feuer zunächst mit ganz trockenem Reisig behutsam ernähren, darauf kräftigt man es mit Spanholz, sodann legt man trockene Scheite auf und schließlich, wenn das Feuer richtig durchgebrannt ist, wird man den feuchten Holzkloben hineinwerfen. - Ebenso erstickt die noch schwach entwickelte Güte - Flamme, wenn sie gleich einen Menschen erfassen und durchdringen soll, den wir in schlechtester Erinnerung haben. Man beginnt deshalb mit der Güte- Ausstrahlung bei einem Menschen, der einem besonders lieb, teuer und verehrungswürdig ist. Dann schreitet man fort mit der Güte- Ausstrahlung über seine Freunde und lieben Verwandten; später erfaßt die stark gewordene Güte auch die Menschen, die einem gleichgültig sind und zuletzt gar die Feinde.
Wie aber geht die Güte- Ausstrahlung vonstatten? Man denkt z.B. als erstes an seinen verehrungswürdigen Lehrer und erinnert sich seiner freundlichen Worte, seiner selbstlosen Bemühungen, seiner Achtung und Ehrfurcht gebietenden Sittlichkeit oder seines hohen Wissens. Hinsichtlich eines solchen Menschen gelingt es leicht, die Güte zu entfalten: "Möge dieser gute Mensch glücklich sein, möge es ihm wohl ergehen, möge er alle Zeit frei sein von Bedrückung, Beklemmung und Feindseligkeit." Hierbei erwecke man das Bild des verehrten Lehrers vor seinem geistigen Auge so deutlich und plastisch, wie die Erinnerung es zuläßt, und durchstrahle es ganz mit Güte. Hat, der verehrte Lehrer auch einige minder gute Eigenschaften, so denke man zunächst nicht übermäßig an diese, sondern halte sich vor allem seine guten Eigenschaften gegenwärtig, damit die Übung leichter vonstatten gehe. Später vermag die erstarkte Güte mit liebevoller Toleranz auch die Schwächen des anderen zu umgreifen, so daß sie vorurteilsfrei und bedingungslos den ganzen Menschen in seiner Wirklichkeit annimmt.
Hat man seinen Geist nun hinsichtlich dieses ersten verehrungswürdigen Menschen so geschmeidig und nachgiebig gemacht, daß bei der bloßen Erinnerung an ihn sogleich ein Gefühl der Wärme und Verbundenheit entsteht, so geht man zur nächsten Personengruppe über und beginnt, einen Freund oder lieben Verwandten mit Güte zu durchstrahlen. Man muß nämlich darauf achten, daß die Entfaltung der Güte nicht nur in die Tiefe, sondern auch in die Breite erfolgt. Deshalb vertiefe man nicht übermäßig die Güte nur zu einem Menschen, sondern erfasse nach und nach alle Menschen seiner Umgebung in weitherziger, vorurteilsfreier, mitfühlender Freundlichkeit und Güte.
Nun mag es sein, daß bei der Erinnerung an einen bestimmten Menschen Unruhe, Verstimmung, Ärger oder gar Haß aufsteigen. Dann stelle man vorerst die Entfaltung der Güte zu diesem Menschen zurück und beginne erneut, sich selbst mit Güte zu durchstrahlen, sich der vertrauten und liebgewonnenen Menschen zu erinnern und versuche dann mit frisch gesammelter Güte- Kraft diesen noch unlieben Menschen zu durchdringen. Manchmal gelingt dies erst nach vielen Anläufen. Keinesfalls aber soll man sich auf bereits erobertem Gebiet ausruhen und hier in schönen Empfindungen schwelgen. Die Entfaltung der Güte ist ein aktiver Kampf, ein zähes und unerbittliches Niederringen des Hasses und seiner Vasallen.
Die achte Strophe des Metta- Sutta zeigt, zu welch unvergleichlichem Sieg dieser heldenmütige Kampf führt: er liegt in der Gewinnung eines völlig haßfreien Bewußtseins, eines von aller Selbstsucht befreiten Geistes, der die ganze Welt unbegrenzt und unbehindert mit Güte durchdringen und durchleuchten kann. Ein solcher Geist gleicht wahrlich der Sonne, die Licht und Wärme unterschiedslos jedem Wesen zukommen läßt und nicht danach fragt, ob der einzelne dieser Gabe würdig ist oder nicht. Hierzu heißt es an anderer Stelle im Kanon:
"Da durchdringt der Mönch mit einem von der Allgüte erfüllten Geiste erst eine Himmelsrichtung, darauf ebenso die zweite, die dritte und die vierte; und sich selbst in allem wiedererkennend, durchdringt er nach oben, nach unten, überall die ganze Welt mit einem von Allgüte erfüllten Geiste, einem weiten, entfalteten, unbeschränkten, frei von Groll und Übelwollen." (Digha-Nikaya 33)
Wo sich der Geist in aller Kreatur wiedergespiegelt findet, da erkennt er seine wahre Natur, da gießt er seine Selbstheil ins grenzenlose Meer der Liebe aus und verweilt in göttlichem Frieden. Aber dieser Frieden will durch Sieg errungen sein, und dem Sieg geht der Kampf voraus. Die neunte Strophe weist noch einmal darauf hin, daß unermüdlich der Haß durch Entfaltung der Allgüte niedergerungen werden muß, und zwar nicht nur während der Intensiv- Übung der Metta- Meditation, sondern immerfort und überall im normalen Alltagsleben. Denn hier vor allem, im Umgang mit wirklichen und nicht nur durch Erinnerung vorgestellten Menschen, wird die Güte lebendig, hier muß sie sich bewähren und Früchte tragen.
Die zehnte und letzte Strophe des Metta- Sutta betont noch einmal ausdrücklich die beiden anderen Bereiche, die zugleich mit der hier so ausführlich beschriebenen Geistessammlung zu entwickeln sind: der Bereich sittlichen Lebenswandels und der des Wissens. Die Erreichungszustände der Metta - Meditation sind ja nicht für immer gewonnen. Es sind wunderschöne, aber vergängliche Zustände des Bewußtseins, in denen man nicht ewig verharren kann. Wesentlicher als alle Empfindung göttlichen Friedens ist der Grad an wissender Klarsichtigkeit, welcher im Übungsfortschritt gewonnen wird, und dieses sich klärende Wissen muß im geläuterten und zielbewußten Wirken (KAMMA) seinen Niederschlag finden. Hier nur wird entscheidend die Wirklichkeit verändert, hier bestimmt der Mensch seine Zukunft. Von dieser Zukunft aber wird gesagt: Wer den Weg der herzerlösenden Güte wandelt, wird nach einem friedvollen und ruhigen Leben einen leichten Tod sterben, ganz so, als ob er in Schlaf sänke. Und sollte er nicht zu noch Höherem durchdringen, so wird er nach seinem Ableben, wie ein aus dem Schlaf Erwachter, in der Götterwelt wieder erscheinen.
Legende über die Herkunft des Metta- Sutta
Einmal zur
Regenzeit war eine Anzahl Bhikkhus beim Erhabenen, um sich Anweisung
zur Meditation geben zu lassen. Als sie dann nach einem geeigneten Platz
für ihre Übungen Ausschau hielten, fanden sie einen wunderschönen Platz.
Sie beschlossen, dort zu bleiben und zu meditieren, um Erwachung zu
Die Devas (Gottheiten), welche eben an diesem Platz wohnten, nahmen es den Bhikkhus sehr übel, daß sie sich ausgerechnet an ihrem Wohnort niederlassen wollten. Sie beschlossen, die Mönche des Nachts in ihrer Meditation zu stören, um sie zu verjagen. Den Bhikkhus fiel es sehr schwer, sich unter diesen Umständen zu konzentrieren; sie gingen deshalb zum Buddha und erzählten ihm die Angelegenheit. Darauf gab ihnen der Buddha das Sutta der Liebe, der Güte, und hieß sie an ihren Platz zurückzugehen und es zu rezitieren. Die Bhikkhus handelten nach der Anweisung, und die Devas fühlten sich wohl und geborgen in den ausgestrahlten Liebes- und Gütegedanken. Sie standen dem Fortschritt der Bhikkhus nicht mehr im Wege, sondern ließen ihnen im Gegenteil jede Hilfe angedeihen. Während dieser Regenzeit erreichten alle Bhikkhus die Erwachung.
|
Einfach hinsetzen und üben!
Freundlichkeit als Unterstützung für die WeltPhra Ajahn Plien PanyapatipoInhaltsverzeichnis
Hinweis des Übersetzers:Diese Dhamma-Lehrrede befasst sich mit den vier Brahma Vihara. Mit Brahma Vihara bezeichnet man die vier "Göttlichen Verweilungszustände", auch die vier "Unermesslichen" (appamañña) genannt. Es sind:
Im Text werden sowohl die Pali-Begriffe als auch die deutschen Worte je nach Übersetzungsvorlage und Sinnzusammenhang verwendet. Am Ende des Textes ist eine Metta-Meditation angefügt, die im ursprünglichen Text nicht vorkommt. Dieser deutschen Übersetzung lag die englische Übersetzung aus dem Thai vor: KINDNESS AS A SUPPORT FOR THE WORLD. Für eventuelle Fehler bitte ich beim Leser um Entschuldigung. Phra Ajahn Plien PanyapatipoPhra Ajahn [1] Plien Panyapatipo wurde am 16. November 1933 in die Familie Wongsachandra in der Provinz Sakon Nakorn (Sawang-dan-din Distrikt) im Nordosten Thailands geboren. Er war das dritte von sechs Kindern und hatte noch vier Brüder und eine Schwester. Seine frühe Kindheit verbrachte er bei seinen Großeltern. Im Alter von 11 Jahren kehrte er zu seiner Familie zurück um in deren Geschäft auszuhelfen. Im Alter von 18 Jahren entwickelte er Interesse für die Medizin und arbeitete als Helfer bei einem Landarzt, der mit ihm verwandt war. Seinen Plan, in Bangkok Medizin zu studieren, gab er auf, als ihn seine Mutter bat, zu bleiben, um weiter die Familie zu unterstützen. Obwohl er schon in jungen Jahren die Absicht hatte, Mönch zu werden, wurde er erst 1959 im Wat Dhat Mechai in Sakon Nakorn ordiniert. Die erste Stufe der Dhamma-Prüfung bestand er in seinem dritten Mönchsjahr. Nachdem er seine erste Regenzeit beendet hatte, suchte er nach guten Plätzen, um sich der Meditation unter großen Lehrern zu widmen. Er besuchte bekannte Meditationsmeister im Nordosten, im Süden und im Norden von Thailand. Seine wichtigsten Lehrer waren Ajahn Luang Puh Brohm Jirapunno, Ajahn Luang Puh Thet Thetrangsi, Ajahn Luang Puh Teur Achaladhammo und nicht zu vergessen Luang Puh Waen Suchinno. (Luang Puh bedeutet ehrwürdiger Großvater.) Zusammen mit anderen berühmten Lehrern erhielt er Anleitung und Führung, so dass er seine Meditation gut entwickeln konnte. Ajahn Plien ist derzeit der Abt von Wat Aranyavivake in der Provinz Chiang Mai in Nordthailand. Freundlichkeit als Unterstützung für die WeltAlle, die hier heute zusammengekommen sind, mit Interesse und Vertrauen in das Dhamma, [2] möchte ich eine Lehrrede halten über: "Metta als Unterstützung für die Welt." Wir sollten dem Gesagtem unsere Aufmerksamkeit widmen, um zu verstehen und zu lernen, wie wir uns in den verschiedenen Situationen es Lebens verhalten und uns den Zuständen dieser Welt stellen können. Diese Fähigkeiten werden sowohl für uns als auch für andere Glück und Zufriedenheit bringen. Der Buddha selbst hat uns dazu einen Weg gewiesen, in dem er die sogenannten vier Brahma Vihara (die 4 Göttlichen Verweilungszustände) erklärte und darlegte, wobei metta eine dieser vier Meditationsarten ist. Diejenigen unter uns, die diese Übung schon praktizieren, werden sicherlich festgestellt haben, dass sie unseren Geist glücklich und zufrieden in der Meditation festigen kann. Die Entwicklung der paramita [3] in der Vergangenheit ermöglichte uns die Geburt als vollständige und intakte Menschen in diesem Leben. Sobald wir in diese Welt geboren sind, ist es ausschließlich die Liebe und die Freundlichkeit zueinander, die es uns ermöglicht, friedlich zusammen zu leben. Der Begriff metta kommt aus der Pali-Sprache und kann übersetzt werden mit: (universeller) Liebe, All-Güte, liebende Güte oder Freundlichkeit. Er umschließt auch die Qualitäten, die es uns Menschen ermöglicht, ohne Konflikte zusammenleben zu können. Ein Zusammenleben in Frieden und Harmonie erfordert gegenseitige Freundlichkeit und Zusammenarbeit. Wenn andere Manschen dieses metta zum Ausdruck bringen, kann es auch in uns Freude und Glück hervorrufen. Was immer wir gerade tun, sobald wir metta haben und zeigen, wird es auch für andere erkennbar sein. Gegenseitige Liebe, die um Ausdruck gebracht wird, wird von allen Wesen gefühlt, egal in welcher Situation sie sich gerade befinden - auch Tiere werden spüren, dass wir keine Gefahr für sie darstellen. Da, wo sich ein freundlicher Mensch aufhält, wird ein Ort von friedlicher und freundlicher Atmosphäre sein. Wenn wir füreinander Freundlichkeit empfinden, weder Tiere noch Menschen verletzen, können wir alle harmonisch zusammenleben - egal ob wir alt, jung oder noch Kinder sind. Einer Gesellschaft, der es an Freundlichkeit mangelt, in der sich die Menschen gegenseitig ausnutzen, übervorteilen, verletzen und ihre Leben zerstören, kann es kein Glück und keinen Frieden geben. Jemand, der an einem solchen Ort lebt, wird aus Angst vor Gewalt Schwierigkeiten haben, nachts friedlich schlafen zu können. Deswegen ermutigt uns der Buddha, Freundlichkeit und Liebe zu zeigen, das sich in einem Lächeln oder einem Zeichen des guten Willens leicht zum Ausdruck bringen lässt. Andere Menschen werden wir behutsam behandeln, sie weder verletzen, noch irgendwelche Gefahren oder Leiden über sie bringen. Wenn das so wäre, würden wir da nicht alle friedlich zusammenleben können? Rücksichtnahme zwischen Familienmitgliedern und den Arbeitskollegen macht das Zusammenleben und die Zusammenarbeit harmonisch und erfolgreich. Wir sollten wie Geschwister zusammenleben, ohne uns ständig Probleme zu machen oder uns Schmerzen zu zufügen. Das ist ein Aspekt von Glück. Gegenseitige Freundlichkeit und Anerkennung würden uns Menschen dazu befähigen, konfliktfrei zusammen zu leben und zu arbeiten, und Alters- und Generationsunterschiede ohne Hindernisse leicht zu überwinden. Jeder kennt seine Aufgaben und ist fähig zu kooperieren, und so können wir wirkliche Freunde werden. Wie alle möchten gerne in Ruhe und Frieden leben. Jedoch erfordert dies Liebe, Freundlichkeit und: Dass man seinen nächsten so liebt wie sich selbst! Solange wir jedoch Eifersucht, Unzufriedenheit oder Hass empfinden, wird das allerdings sehr schwierig sein. Deswegen sollten wir versuchen, anderen mit Freundlichkeit zu begegnen, bis schließlich unser Herz von Hass und Neid gereinigt ist. Der Buddha zeigte uns einen Weg, dieses metta zu entwickeln. Wenn uns ein Feind oder Rivale beschimpft, Schwierigkeiten macht, uns hasst oder sogar unser Leben bedroht, wie können wir unter diesen Umständen Liebe, Freundlichkeit und Sympathie für diese Person empfinden? Ein wichtiger Punkt, der gut überlegt werden sollte. Der Buddha gab uns den Rat, dieser Person metta entgegenzubringen, ihr Glück, Wohlstand, Gesundheit und alles Gute zu wünschen. Sollten jedoch Gefühlszustände wie Ärger, Eifersucht und Ablehnung in unseren Herzen bleiben, obwohl wir versucht haben, dieses metta unserem Gegenspieler" zukommen zu lassen, empfiehlt der Buddha, dass wir metta erst an eine Person richten, die für uns neutral ist, d.h.: Einem Menschen, den wir weder lieben noch hassen. Wenn wir das tun, werden wir sehen, dass unser Herz weder von Abneigung, noch von Zuneigung bewegt ist, sondern es bleibt ungeteilt und ausgewogen. Dann senden wir metta an eine Person, die uns am liebsten ist. Das kann z.B. unser Kind, Enkel, Bruder, Schwester, Ehepartner, Freund, Großvater, Großmutter, Lehrer oder einer unserer Arbeitskollegen sein. Da dies ein Mensch ist, den wir lieben, werden Gefühle wie Eifersucht oder Abneigungen nicht vorhanden sein, so dass unser Geist, ungestört von diesen Emotionen zufrieden ist. Dann versuchen wir erneut, metta an die Person zu richten, die wir nicht mögen und wünschen ihr körperliche und geistige Gesundheit, Freude, Glück, Wohlstand, Zufriedenheit, Ansehen und all die guten Dinge, die sie sich selbst wünschen würde. Wenn die negativen Gefühle immer noch vorhanden sind, sollten wir unsere Gedanken der Freundlichkeit wieder der Person zuwenden, die uns am liebsten ist. Unser Geist wird sich beflügelt und ermutigt fühlen, und so können wir dann wieder versuchen, metta auf den Menschen zu richten, der für uns neutral ist: Jemand den wir weder lieben noch hassen. Ist der Geist dann ausgeglichen und frei von Feindschaft, können wir ihn wieder auf unseren Gegenspieler richten. Wenn die negativen Gefühle immer noch bestehen, sollten wir die schon beschriebene Methode [4] ungefähr fünf Mal wiederholen. Wenn sich unser Geist auch weiterhin uneinsichtig und stur verhält, rät uns der Buddha, den Geist mit Achtsamkeit und Weisheit selbstkritisch zu untersuchen und uns die Frage zu stellen: Warum wir so hartnäckig auf diesem Standpunkt beharren? Wir sollten uns selbst diesen Vorwurf machen und uns zurechtweisen: Ich kann metta an einen Menschen senden, den ich liebe und der für mich neutral ist, aber warum empfinde ich immer noch Hass für andere? Die Antwort ist ganz einfach: Wegen unserer Rechthaberei und unserer Sturheit. Letztendlich sind wir es, die leiden. Unsere Herzen sind aufgewühlt und verstört bei Gedanken und Gefühlen von Hass und Ablehnung. Mit Achtsamkeit und Weisheit sollten wir versuchen diesen Zustand zu "heilen" - und metta wieder an die senden, die wir lieben, die für uns neutral sind und dann wieder an unseren sogenannten Gegenspieler. Und so entwickeln wir diese Übung beharrlich, bis wir dann wirklich an die, die wir lieben, die uns Neutralen und auch an unseren Gegenspieler, der versuchte unser Leben zu zerstören, metta senden und es auch empfinden können. Wenn wir alle Menschen so lieben wie uns selbst, können wir dieses metta der ganzen Welt zukommen lassen und so frei von Hass, in Frieden und Harmonie, glücklich zusammen leben. Wenn wir diese Übung fortsetzen und die Menschen dieser Welt sich dazu entschließen könnten, Wohlwollen und Freundlichkeit zu entwickeln, würden wir alle zweifellos glücklicher sein. Der Buddha garantierte uns, wenn wir den Leitsatz: "Andere so zu lieben wie wir uns selbst lieben", in die Tat umsetzen könnten, würden wir die erste Regel, [5] - keine Lebewesen zu töten - ganz automatisch einhalten können. Es gäbe keinen Grund, diese Regel formal von einem Mönchen neu zu erfragen, weil sie auf ganz natürliche Weise eingehalten werden würde. Wenn wir diese Freundlichkeit entwickeln, werden wir niemals mehr Leiden oder Schmerzen über andere Lebewesen bringen! Ein Weg, der uns alle wie Brüder und Schwestern zusammenleben lässt: Ohne Kriege, Feindschaft oder Getrenntheit. Dies ist die Übung von metta, Freundlichkeit oder Liebende Güte, die wir alle bemüht sein sollten zu entfalten. Sie ist der Erste der vier Brahma Vihara. Karuna oder Mitgefühl nennt man den Zweiten der vier Brahma Vihara. Mitgefühl entsteht, wenn wir beobachten oder erfahren, dass unseren Mitmenschen Leid und Kummer widerfährt. Das betrifft besonders die Situationen, wenn uns die Notlage und der Schmerz anderer bewegt und wir versuchen Mittel und Wege zu finden, um ihnen zu helfen. Wenn wir z.B. ein Meerestier sehen, das an Land gestrandet ist und wir uns überlegen, wie wir es wieder sicher und heil ins Wasser zurückführen können. Oder wie können wir ein Tier retten, das ins Wasser gefallen und am ertrinken ist? Menschen mit einem guten Herzen haben Mitgefühl für alle Wesen - auch für Tiere. In gleicher Weise sollten wir Freundlichkeit, Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft den Menschen gegenüber entwickeln, die sich in den verschiedenen Notlagen befinden, jemanden brauchen oder behindert sind. Mit medizinischer Hilfe, freundlicher Unterstützung und Ermutigung für Kranke, können wir unser Mitgefühl und unsere Freundlichkeit zum Ausdruck bringen. Wir versuchen unser Bestes ihnen zu helfen und hoffen, dass sie wieder gesund werden. Der Buddha ermutigte uns dazu, dieses Mitgefühl füreinander zu entwickeln. Ein mitfühlendes Herz wird immer Wege finden, denen zu helfen, die sich in Schwierigkeiten befinden: Ob hier oder anderswo, ob einem Menschen oder einem Tier. Mitgefühl muß allerdings von Weisheit begleitet sein, um die besten Mittel und Wege für die Hilfe zu finden. In manchen Situationen muß man gewisse rechtliche Erschwernisse bedenken, die sowohl aus Missverständnissen, als auch durch die Unklarheit unserer Rolle, die wir in einer bestimmten Situation scheinbar einnehmen, entstehen können. Wenn wir zum Beispiel bei einem Autounfall oder sogar einer Schießerei dazukommen, sollten wir uns die zu ergreifenden Hilfsmaßnahmen gut überlegen, damit die Polizei oder Hinzukommende unsere Handlungen nicht fehlinterpretiert. Mitgefühl ist die Qualität des Herzens, die den Empfänger unterstützt, ermuntert und der ganzen Welt Harmonie bringen kann. Vielleicht wundern sich manche, wie die Sprache alleine Ermutigung für andere sein kann. Wir brauchen nur zu bedenken, wie wir mit freundlichen Worten der Anteilnahme und mit Ratschlägen einem Menschen in seinem Kummer und seiner Trauer helfen können. Mit Weisheit und Umsicht können wir diesen Menschen dabei unterstützen, eine ausgeglichene, klare Geisteshaltung frei von Trauer und Leid zu entwickeln. Dies ist nur ein Beispiel, wie herzliche Worte Ausdruck für unser Mitgefühl sein können. Ein mitfühlendes Herz besitzt zur gleichen Zelt auch metta. Denn diese beiden Qualitäten entstehen immer zusammen. Für Eifersucht oder Rachegefühle gegen irgend ein Wesen wird in unserem Herzen kein Platz mehr sein. Mitgefühl (karuna) äußert sich durch freundliche Worte und hilfreiche Taten. Wenn wir uns die Elternliebe zu ihren Kindern einmal genauer betrachten, sehen wir, dass es ihnen ganz gleich ist wie alt, ungehorsam oder sogar bösartig ihre Kinder sein mögen, ihre umsorgende Liebe wird ihnen immer erhalten bleiben, auch wenn die Kinder diese Liebe manchmal nicht zu schätzen wissen. Gegenseitige Liebe schließt Freundlichkeit, Mitgefühl und guten Willen mit ein. Die beiden Qualitäten von metta und karuna würden alleine ausreichen, um Glück und Freude zu erzeugen. Wo auch immer wir uns dann befinden würden, ob in Städten, den Bergen oder im Dschungel, wir wären beschützt und frei von Gefahren. Der dritte Brahma Vihara ist die Mitfreude (mudita) über den Erfolg und das Glück unserer Mitmenschen. Wenn es uns an Achtsamkeit und Weisheit fehlt, wird es schwierig sein, die Gefühle von "Erfreutsein" oder Mitfreude aufzubringen. Die Schwäche, uns und unseren Erfolg ständig mit anderen zu vergleichen, ist auf unzureichendes metta zurückzuführen. Es wird uns schwerfallen, anderen zu ihren Beförderungen, ihrem Wohlstand oder Erfolgen zu gratulieren, besonders wenn wir selbst solche Dinge nicht erreichen oder bekommen. Mitfreude ist nur möglich, wenn unser Herz wirkliches metta besitzt! Deshalb hat uns der Buddha empfohlen, dies zu entwickeln und zu kultivieren. Die meisten jedoch empfinden diese Mitfreude nur bei den Erfolgen ihrer eigenen Freunde und Verwandten. Manche Eltern sind höchst erfreut, dass ihre Kinder ein Examen bestanden oder eine Beförderung erhalten haben. Wenn das Gleiche statt ihren Kindern anderen zu Teil wird, werden sie vielleicht Neid verspüren und Gefühle wie Freude werden erst gar nicht aufkommen. Wir sollten auch in Betracht ziehen, dass z.B. Erfolg durch die Handlungen bedingt ist, die ein Mensch in der Vergangenheit ausgeführt hat. Es gibt also keinen Grund sich zu wundem, warum es einem anderen immer besser geht, obwohl er es scheinbar nicht verdient hat, und wir selbst uns nicht verbessern, obwohl wir so hart arbeiten. So sollten wir wirklich nicht denken! Statt dessen könnten wir uns über den Wohlstand und das Glück anderer freuen und sie auch dazu beglückwünschen. Wenn wir also über die beruflichen Erfolge, Lohnerhöhungen, das verbesserte Ansehen oder die verbesserten Lebensbedingungen von anderen hören, sollten wir unsere Mitfreude darüber zum Ausdruck bringen: Begleitet von Freundlichkeit und auch Mitgefühl. Wir können uns auch daran erfreuen, wenn wir beobachten, wie die guten Taten der Vergangenheit nun ihre Resultate zeigen. Wenn wir diesen Betrachtungen folgen, können wir alle friedlich und glücklich zusammenleben. Der vierte Brahma Vihara ist der Gleichmut (upekkha). Wir sollten wissen, dass der Gleichmut der Göttlichen Verweilungszustände manchmal durch die kilesa [6] beeinträchtigt sein kann. Manche Menschen empfinden "Gleichmut" gegenüber den Menschen, die sie sowieso nicht mögen. Ob sie krank sind oder ihr Glück usw. verloren haben berührt sie in keiner Weise. Diese Einstellung könnte man als einen Aspekt des "Gleichmuts" bezeichnen, jedoch ist dies nur Gleichgültigkeit. Gleichmut und Gleichgültigkeit sollten wir hier nicht verwechseln! Gleichmut beinhaltet die Qualität, unberührt zu bleiben. Besonders dann, wenn wir erkennen müssen, dass es jenseits unserer Fähigkeiten liegt, allen unseren Freunden oder allen Menschen dieser Welt helfen zu können. Auch dann gelassen zu bleiben, wenn andere uns beschimpfen oder schlechte Dinge über uns sagen, ungeachtet der gesellschaftlichen Stellung die diese Menschen uns gegenüber einnehmen mögen. Die meisten von uns, können den Menschen gegenüber gleichmütig bleiben, die wir nicht mögen. Es wird jedoch schwierig sein diese Haltung auch denen gegenüber einzunehmen, die wir mögen. Solange wir von den vier Befangenheiten wie - Abneigung, Zuneigung, Gedankenlosigkeit und Angst - geleitet werden, wird es für uns unmöglich sein, perfekten Gleichmut zu bewahren. Manchmal können wir unberührt oder unparteiisch bleiben - und ein anderes Mal können wir das nicht - und so werden wir auch weiterhin Kummer und Ärger ausgesetzt sein. Wir brauchen uns nur vorzustellen, wie uns jemand beschimpft. Vielleicht können wir noch nicht mit völligem Gleichmut darauf reagieren, uns aber doch etwas abseits davon begeben, d.h.: Es erst zulassen, um es dann einfach loszulassen". Das ist die Unparteilichkeit oder Unberührtheit des Gleichmuts der vier Göttlichen Verweilungszustände. Was ist der Gleichmut in bezug auf die Gefühle (vedana)? Es ist das Gefühl der Unberührtheit oder Unparteilichkeit gegenüber den angenehmen oder unangenehmen Sinneseindrücken, die durch sehen, hören, riechen, schmecken oder tasten entstehen. Zum Beispiel können wir bei Empfindungen wie starker Hitze oder Kälte unberührt und teilnahmslos bleiben, d.h. sie lassen wie sie sind, um sie dann "loszulassen". Schmerzen oder verschiedene Unbehaglichkeiten können wir loslassen, d.h., wir beobachten sie, ohne darauf zu reagieren. Während wir hier sitzen, um metta zu üben, können wir die entstehenden Schmerzen in unseren Armen und Beinen zum Beispiel gleichmütig und unberührt betrachten. Auch den angenehmen Gefühlen gegenüber, die entstehen, auf Grund angenehmer Formen, die wir sehen, angenehmer Gerüche, die wir riechen oder angenehmen Berührungen, die wir empfinden, sollten wir mit upekkha begegnen, d.h. ihnen gleichmütig, unberührt und unparteiisch gegenüberstehen. Unangenehme Formen, Töne, Geschmäcker oder Berührungen geben uns unangenehme Gefühle und doch können wir es manchmal schaffen, auch diesen Empfindungen gegenüber gleichmütig zu bleiben. Dies ist der Gleichmut in bezug auf die Gefühle. Die dritte Art des Gleichmutes ist das letzte Glied der 7 Erleuchtungsglieder [7] (upekkha sambojjhanga). Diese Art des Gleichmutes ist ausgestattet mit Weisheit, Verständnis und Einsicht, und wir sollten ihn üben und entwickeln, bis wir einen wirklichen Einblick in die "Wahre Natur" aller bedingt entstandenen Erscheinungen erlangen: Der Vorgang des - Entstehen - Verweilen - Vergehen - aller zusammengesetzten, bedingt entstandenen Dinge und Wesen dieser Welt. Ein natürlicher Prozess, dem alle Wesen, Menschen, Tiere, jede Rasse, Männer, Frauen und Kinder unterworfen sind. Mit Weisheit erkennen wir die "Wahre Natur" aller Dinge: Sobald jemand in diese Welt geboren wurde, muß er alt werden, Krankheiten erleiden und schließlich sterben. Geburt, Alter, Krankheit und Tod sind Stationen eines natürlichen Prozesses, denen alles unterworfen ist. Jemand, der diese Wahrheit mit Weisheit klar erkannt hat, wird den Gleichmut entwickelt haben, der das letzte der 7 Erleuchtungsglieder ist. Indem wir diese Wahrheiten akzeptieren können, werden uns die Dinge wie sie sind - nicht mehr beunruhigen oder besorgen. Wir werden auch weiterhin unser Bestes tun, um in dieser leidvollen Welt unseren Mitmenschen zu helfen. Wenn wir zum Beispiel einen Kranken zum Arzt bringen, oder ihn so gut wie wir es können pflegen und dieser Mensch stirbt dann doch, dann sollten wir das mit Gleichmut und ohne Kummer akzeptieren. Wenn wir zum Beispiel mit Geld oder Medizin alten Menschen helfen, damit sie gepflegt werden und ihnen ein Heim gegeben werden kann, und wir dann letzten Endes nichts mehr für sie tun können - weil ihre Zeit gekommen ist, diese Welt zu verlassen. Dieses Ereignis sollten wir mit Gleichmut, einem ruhigen und klaren Geist akzeptieren, und erkennen, dass das die "Wahre Natur aller bedingt entstandenen Erscheinungen" ist! Sobald wir in diese Welt geboren sind brauchen wir Freundlichkeit, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut, um fähig zu sein, mit allen glücklich und einträchtig zusammenleben zu können. Wenn unsere Herzen die Qualitäten des Gleichmutes, der Achtsamkeit und der Weisheit nicht besitzen, werden wir auch weiterhin Trostlosigkeit und Kummer erfahren müssen. Ohne Gleichmut sind die Göttlichen Verweilungszustände unvollständig. Wir sind noch nicht frei und halten uns immer noch an leidvollen Zuständen fest. Manche Leute sehen nicht das richtige Maß und geben alles was sie haben anderen, um ihnen zu helfen, während sie selbst plötzlich arm und mittellos da stehen. Solch übertriebene Hilfsbereitschaft, ohne Weisheit und Gleichmut, kann uns nur unglücklich machen. Deswegen betonte der Buddha ausdrücklich, mit Weisheit und Umsicht den vier Göttlichen Verweilungszustände zu begegnen, denn sie sind Tugenden für reife Menschen. Die letzte Art des Gleichmutes, ist der Gleichmut, der vollständiges Wissen beinhaltet. Die Erleuchtung befähigte den Buddha, mit klarer Einsicht die Erscheinungen der Welt zu durchschauen, und deswegen konnte er die Welt "loslassen". Er erhob sich über die "Weltlichkeit" und hat uns in ihr zurückgelassen. Wenn wir in der Zeit des Buddhas geboren wären, mit der Möglichkeit seine Lehre zwar zu hören, jedoch unfähig, sie zu verstehen, hätte sogar ein Buddha nichts anderes tun können, als uns in unserer Unwissenheit zurückzulassen, und so wären wir bis heute im ständigen Kreislauf von Geburt und Tod gefangen geblieben. Der Buddha erkannte, dass er nicht alle zur Erleuchtung führen konnte, und deswegen betrachtete er die Welt mit Gleichmut. Wir sollten die Gründe dafür verstehen und versuchen, den Pfad zu entwickeln. Wir müssen die Dinge ihren Lauf nehmen lassen, sie "loslassen", wenn nichts mehr getan werden kann. Wenn wir zum Beispiel versuchen andere zu belehren, sie aber ihre Aufmerksamkeit hartnäckig verweigern, können wir nichts anderes tun, als unsere Bemühungen, sie zu lehren, zurückzunehmen. Wenn wir solche Lehren erteilen, sollten sie immer von metta begleitet sein: Das ist der Weg des Buddhas, dessen Schritte wir folgen sollten wenn wir zufrieden werden wollen. Ohne Gleichmut und Weisheit kann übertriebene Freundlichkeit zu Schwierigkeiten und Problemen führen. Wenn wir zum Beispiel Drogenabhängigen Geld geben, um sich Drogen zu beschaffen, kann es passieren, dass sie in ihrem Rausch streiten, Gewalt anwenden und sich sogar gegenseitig umbringen. Wenn wir Glücksspielern Geld geben kann das noch mehr zu ihrem oder seinem Untergang beitragen. Beides ist falsch angewandte Freundlichkeit. Freundlichkeit Mitgefühl und Mitfreude sollten immer mit weisen Erwägungen im Einklang stehen! So sollten wir niemanden zu seinen schlechten Taten gratulieren, uns jedoch auf der anderen Seite bemühen, ihr oder ihm mit Ratschlägen ein besseres und nützliches Leben zu weisen. Wenn solche Ratschläge nicht beachtet, werden, können wir nur aufgeben und "loslassen". Es ist wie die Sorge und Liebe der Eltern zu ihren Kindern und Enkeln: Sie belehren sie; aber wenn sich die Kinder weigern zuzuhören, müssen sie es mit Gleichmut hinnehmen, d.h. es "loslassen", bis sich eine neue Gelegenheit ergibt. Eltern bemühen sich in dieser Weise das ganze Leben, bis ihre Kinder verstehen. Dies ist die Methode, andere zu lehren - ob unter Verwandten oder zwischen dem Meditationslehrer und seinen Schülern. Wenn die vier Göttlichen Verweilungszustände in Einklang mit Weisheit in unseren Herzen gegenwärtig sind, können wir alle - unbeachtet von Altersunterschieden - glücklich und harmonisch zusammenleben. Wenn Kinder diese Qualitäten besitzen, kann man sie als reife Menschen betrachten. Es sind die vier Brahma Vihara, die Frieden und Freude in unseren Herzen entstehen lassen, und deswegen sagte der Buddha, dass "Freundlichkeit die Welt unterstützt. Jeder, der sich Buddhist nennt, sollte sich diese Lehre zu Herzen nehmen und sich in den verschiedenen Tugenden üben. Es gibt viel Trostlosigkeit auf dieser Welt, weil die Menschen keine heilsamen Qualitäten entwickeln. Wegen dem Mangel an diesen vier Brahma Vihara ist diese Welt in Aufruhr, und nicht aus irgendwelchen anderen Gründen. Diejenigen unter uns, die eine tugendhafte Gesinnung kultivieren wollen, sollten das Dhamma [8] gewissenhaft bedenken und dieses Dhamma in ihre Herzen aufnehmen. Wir sollten uns solange üben, bis diese vier Qualitäten in unserem Geist entstehen, und wir dann die Resultate des Glücks erhalten. Diejenigen, deren Herzen mit Freundlichkeit (metta) ausgestattet sind, werden sich folgender Vorzüge erfreuen:
Alles gute Gründe, um metta unseren Mitmenschen, den Tieren und allen anderen Wesen entgegen zu bringen. Es sind Qualitäten von reifen Menschen, die - egal wo sie sich gerade aufhalten - immer ihrer Verantwortung bewusst sind, einträchtig und glücklich zusammenzuleben. Bitte erinnern Sie sich daran, was ich heute über die vier Brahma Vihara gesagt habe. Der Buddha bezeichnete diese vier Qualitäten als eine "Unterstützung für die Welt" - und wenn wir sie beachten und kultivieren, werden sie uns Glück und Zufriedenheit bringen. Mögen Sie alle gesegnet sein mit einem langen Leben, guter Gesundheit, Kraft und Glück! Metta-MeditationEs gibt verschiedene Arten, diese Meditation über die universelle Liebe zu praktizieren. Hier wird nur eine vorgestellt, die auf die Texte und Kommentare des Pali-Kanons zurückgeht. Wer sich für die genauen Anweisungen und die verschiedenen Arten interessiert, sei hiermit auf die Visuddhimagga, Kapitel 9 verwiesen. Übung:
(Diese Metta-Meditation ist Auszug einer zusammengefassten Übersetzung aus: METTA - The philosophy & practice of universal love - von Acarya Buddharakkhita - Buddhist Publication Society Kandy Sri Lanka) Liebe (metta)Liebe, die nicht besitzen will, weil sie weiß, dass es in Wirklichkeit keinen Besitz und keinen Besitzer gibt - das ist die höchste Liebe. Liebe die nicht ICH sagt, weil sie das ICH als Täuschung weiß. Liebe, die nicht sondert, wählt und ausschließt, wohl wissend, dass sie damit nur ihren Gegensatz erzeugt: Missgunst, Abneigung, Widerwillen und Hass. Liebe, die alle Lebewesen umfasst - kleine und große, ferne und nahe, die Bewohner der Erde, des Wassers und der Luft... ...die edelgesinnten und die niedrig gesinnten, die guten und die nicht guten... Liebe, die alle Wesen umfasst, wohl wissend, dass sie alle unsere Weggefährten auf der Weltwanderschaft sind - Genossen unseres Leides. Gemeinsames Erleiden ist ein starkes Band unter den Wesen... Liebe, die eine wissende, verstehende, helfende Güte ist. Liebe die Kraft ist und Kraft gibt - das ist die höchste Liebe... Und was ist die höchste Tat der Liebe? Den Wesen durch Tat und Wort den Weg der Leidbefreiung zu zeigen, wie er gewiesen, gegangen und vollendet wurde, von ihm - dem Buddha. (NYANIPONIKA Mahathera) (gekürzte Fassung) Fußnoten[1] Ajahn bedeutet Lehrer (sprich: Adschaan) [2] Dhamma: Naturgesetz, die Lehre des Buddha, ein Weg die Wahrheit zu verstehen. [3] parami, paramita: Die 10 Vollkommenheiten: Freigebigkeit, Sittlichkeit, Entsagung, Weisheit, Willenskraft, Nachsicht, Ehrlichkeit, Entschlussfähigkeit, liebende Güte (metta) und Gleichmut (upekkha). [4] siehe auch Anhang: Metta-Meditation [5] Sikkhapada, 5 Übungs- oder Sittenregeln: 1.Abstehen vom Töten, 2. vom Stehlen, 3. vom unerlaubtem Geschlechtsverkehr, 4. vom Lügen und 5. dem Genuss berauschender Getränke. [6] kilesa: Herzens- oder Geistestrübung, wie Gier, Hass und Verblendung usw. [7] bojjhanga, die 7 Erleuchtungsglieder: Achtsamkeit, Gesetzesergründung, Willenskraft, Verzückung, Gestilltheit, Sammlung, Gleichmut. [8] Dhamma: siehe Fußnote Nr. 2 |