
Die natürliche Essenz des DhammaAjahn Buddhadasa Bhikkhu
Mit anderen Worten: nichts geschieht, besteht, ändert sich oder stirbt aus sich heraus. Nichts geschieht außer in Abhängigkeit von verschiedensten Gründen und Ursachen. Selbst Tod und Zerstörung benötigen Gründe, benötigen Ursachen; auch die Anwesenheit von Wesen die Töten oder zerstören; oder die Abwesenheit von Wesen die helfen. Weiterhin sind die Gründe und Ursachen von etwas wieder durch etwas anderes begründet oder verursacht. Diese konditionale Interaktion durchzieht das ganze Universum - das geistige wie das physische, alles verbindend in einem Geflecht von Interdependenz, geistigen Beziehungen, wechselseitiger Verbundenheit und Verwobenheit. Diese fundamentale Tatsache ist derart erhaben, daß wir sie als "Naturgesetz" oder "Gott" bezeichnen können.
Vier Aspekte der NaturLaßt uns etwas sorgsamer umschreiben, was wir mit dem Wort "Natur" meinen. Obwohl der deutsche Terminus nicht ganz unserem buddhistischen "dhammajati" entspricht, wird er verwendbar sein, wenn wir ihn hinreichend beschrieben haben. Natur (dhammajati) ist alles das, was aus dem Dhamma entspringt, aus dem Dhamma geboren ist. Das ist das Absolute und hat die höchste Kraft in sich. Natur hat mindestens vier grundlegende Aspekte, denen wir auf den Grund gehen sollten:- die Natur an sich - das Gesetz der Natur - die Notwendigkeit, sich an der Natur auszurichten und - das Ergebnis dessen, das durch die Ausführung dessen im Einklang mit den Naturgesetzen entsteht. Laßt uns zunächst über uns selbst reflektieren. Jeder Mensch hat von Natur aus einen Körper. In uns wirkt das grundlegende dhammagemäße Naturgesetz, das alles reguliert. Jedes Bestandteil in uns setzt konsequent das Gesetz der Natur um. Mit jeder Tätigkeit praktizieren wir die Aufgabe das Gleichgewicht in der Natur aufrechtzuerhalten. In Abhängigkeit davon, wie wir diese Pflicht ausführen, erfahren wir die Resultat, die Früchte unserer Taten: Glück und Leid, Befriedigung und Unzufriedenheit. In uns selbst, innerhalb dieses physischen Körpers, befinden sich alle vier Bedeutungen von Natur. So wie wir in jedem Menschen alle vier Aspekte der Natur finden können, so können wir in allem diese vier Aspekte finden. Und im gesamten Universum mit all seinen Subsystemen können wir das Wesen der Natur erkennen, das Naturgesetz, die Aufgabe der Natur und die Ergebnisse der Natur. (...) Wenn wir die Natur nicht völlig verstehen, wenn wir nicht alle vier Aspekte verstehen, vergeuden wir nur unsere Zeit, während wir vom Naturschutz faseln. (...) Wenn wir alle Aspekte der Natur verstehen und das Gesetz in unserem Inneren bewahren, wird es unmöglich sein, für Selbstsucht und Egoismus Einfluß auf uns zu nehmen. Wenn es kein Ego und keine Selbstsucht gibt, gibt es nichts, das die Natur zerstört, nichts, was die Natur ausbeuten oder mißbrauchen wird. Dann wird der externe, Physische Aspekt der Natur in der Lage sein, den Schutz selbstgesteuert durchzuführen. (...) Ohne Selbstsucht wird diese Welt natürlich rein und wunderschön
Selbstsucht verursacht seit Jahren ChaosSelbstsucht aber ist in die Welt gekommen und hat seit langer Zeit Verwüstung angerichtet. Schon seit Zeiten hat die Menschheit die Natur ausgebeutet und zerstört. Selbst in den alten Palischriften können wir ein Texte finden wie den, der von einem Mann erzählt, der einen Baum voller reifer Früchte sah, aber nicht in der Lage war, auf den Baum zu steigen und die Früchte zu Pflücken. Also nahm er eine Axt und fällte kurzerhand den ganzen Baum. Dann trug er so viele Früchte davon, wie er konnte, aber die meisten ließ er zurück, diese verfaulten. (...)Vor mehr als 50 Jahren (...) kam ich an einem Baum vorbei, nicht weit von der Stelle, wo wir jetzt sitzen (im Suan Mokkh-Kloster). Dieser Baum war gefällt worden. Als ich nachfragte, erfuhr ich, daß jemand ihn getötet hatte, nur um an eine Ladung seiner Früchte zu kommen.
In den vergangenen Jahrzehnten hat derartige Selbstsucht unterstützt durch moderne Technologie ganze Wälder zerstört, einzig um einzelne Holzarten herauszuziehen, die sich vermarkten lassen, während der größte Teil der Vegetation der Vertonung überlassen oder abgebrannt wurde. Diese Torheit ist nur allzu deutlich geworden durch die Feuer, die große teile Indonesiens verwüsteten und weite Teile Südostasiens mit Luftverschmutzung überziehen. Aber nicht nur die Wälder werden zerstört, sondern auch die Dörfer und Kulturen von indigenen Völkern und politisch einflußlosen Bauern, die meist in Harmonie mit den Wäldern lebten, die sie umgaben. Und nicht zuletzt ist die Seele der Gesellschaft zerstört worden, indem wir uns zu übermenschlich mächtigen Unmenschen erhoben.
Dieser Punkt enthält Achan Buddhadasas Kritik an übertriebenem Aktionismus. Wenn wir uns auf die Ergebnisse, also das, was bereits geschehen ist, konzentrieren und diese zu ändern trachten, verpassen wir es häufig, tiefer in die Ursachen, insbesondere moralischer und spiritueller Art zu sehen. Schlimmer noch, unachtsamer Aktionismus kann zu einer Flucht werden, um den tieferen Ursachen moralischer, kultureller und spiritueller Art nicht ins Auge sehen zu müssen. Der entgegengesetzt Fehler greift Raum in einem engen Akademismus, wenn Intellektuelle ihr Wissen von moralischer und spiritueller Verantwortung abtrennen und sich hinter einer Maske von Scheinobjektivität und Unparteilichkeit verstecken.
Bedeutung und Motivation von BewahrenEs ist wichtig, daß unsere Schutzbemühungen erfolgreich, korrekt und echt sind. Dies wirft die Frage auf, welche Art von Macht oder Druck wir für den Naturschutzgedanken bemühen sollten. Der Druck, der direkt zwingt, unseren Willen zu tun ist die eine Art von Autorität. Aber es gibt auch den Druck, eine richtige Art von Verständnis für die Realität zu erzeugen, so daß wir unsere Pflicht klar erkennen und sie freiwillig erfüllen. Diese beiden Arten von Druck gibt es.
Welche Art von Druck sollen wir ausüben? Diese Frage ist von entscheidender Bedeutung für praktizierende Buddhisten, insbesondere für engagierte Buddhisten, die selten - wenn überhaupt - über weltliche Macht verfügen. Wir können nicht auf die Hilfe des Staates oder der Marktkräfte vertrauen, um Naturschutz durchzusetzen. Statt dessen müssen wir eine eigene Art von moralischer und spiritueller Autorität aufbauen, durch unsere Integrität und unser uneigennütziges Beispiel.
Die Ökologie des DhammaMit anderen Worten, Dhamma ist die Ökologie des Geistes. Das ist die Art, wie die Natur die Dinge gerichtet hat, und so war es schon immer, auf eine sehr natürliche Art. Der dhammagefüllte Geist hat die natürliche spirituelle Ökologie, denn er ist frisch, schön, mutig und freudevoll. (...) Wenn keines der schwerwiegenden Übel aufsteigen kann, wie Gier, Zorn, Unruhe oder Verwirrung, dann ist da die perfekte natürliche Ökologie des dhammaerfüllten Geistes. Aber sowie diese Übel auftreten, wird unmittelbar die natürliche Ökologie des Geistes zerstört. Diese Übel sind wie böse Geister oder Dämonen, die den natürlichen Status des Geistes zerstören.Unsere physischen Körper haben eine ähnliche Kondition, wenn nichts sie stört; sie haben eine natürliche physische Ökologie. Wenn keine "bösen Geister" oder "Dämonen" den natürlichen Status des Friedens stören, ist das Resultat ungemein befriedigend. (...) Einmal hörte ich die Worte: "Gott schafft, der Mensch zerstört." Das ist, wie es immer war; Gott sagte, die Schöpfung sei gut, aber die Menschheit hat sie kontinuierlich zerstört. Mit anderen Worten, die Natur hat alles fein gerichtet, bis wir auftraten, alles mit unserer Ichbezogenheit zu zerstören. Sobald die Übel auftreten, zerstören sie. So ist deren Natur. BegierdeIn diesem Zusammenhang können wir uns dem Übel, das mit Begierde bezeichnet wird, näher widmen, jener Begierde, die zunächst die innere Ökologie des Geistes zerstört und sich dann nach außen wendet, um die äußere physische Ökologie zu zerstören. Diese Begierde muß man genau verstehen. Begierde meint immer jenes idiotische Verlangen, das aus Unwissenheit erwächst, weil jemand die Dinge nicht so versteht, wie sie wirklich sind. Unglücklicherweise erläutern die meisten Buddhisten, wenn sie von samsara sprechen, Begierde so, als sei jedes Verlangen Begierde. Das ist falsch. Nur das dämliche Verlangen nennt man richtigerweise Begierde. Wenn ein Wunsch intelligent ist, dann bezeichnet man ihn als "sankappa" (Ziel oder Streben), was wir auch als weises Wünschen bezeichnen können.(...) Begierde ist immer von Ignoranz getragen, völlig egal welches Wort wir dafür im Deutschen verwenden. Wenn aber das Verlangen weise ist, sollten wir es "Streben" oder "Ziel" nennen.Begierde zerstört beide, die die innere-mentale und die äußerlich-physische Ökologie. Hier dürfte es nützlich sein, drei Arten von Ökologie zu unterscheiden: die physische, die mentale und die spirituelle. Begierde zerstört alle drei. Selbst die erste Ebene, die materielle Ökologie wird inzwischen dezimiert durch diese idiotische, blind Begierde. Bis zu dem Grad, in dem es Begierde gibt, bis zu dem Grad wird die Ökologie zerstört, Wenn Begierde das Niveau der Industrie erreicht, zerstört sie die Ökologie industriell, wie wir es heute sehen können. Diese erste Ebene ist die physische oder materielle. Unser Körper ist materiell und steht im Austausch mit anderen materiellen Dingen, die zusammen die physische Welt ergeben. Begierde schafft vielfache Schwierigkeiten für diese. Die zweite Ebene ist das mentale System, die natürliche Ebene des Geistes, der nicht in Verbindung mit höheren spirituellen Ebenen, mit dem Reich der Weisheit steht. Es ist der nicht-physische Teil von uns, der i erster Linie betroffen ist von physischen Dingen wie Bedürfnissen und Instinkten unseres Körpers. Solange Begierde den Geist nicht stört oder von ihm Besitz ergreift, ist er von natürlicher Schönheit und erfüllt seine Aufgabe, neue Dinge zu kreieren. Die grundlegende Bedeutung des Wortes "citta" (Geist) bezeichnet kreatives Denken. (...) Die dritte Ebene ist das "spirituelle System", die Fähigkeit achtsamer Weisheit, die den höheren Aspekt des Geistes bezeichnet. Diese spirituelle Ebene ist die von Achtsamkeit und Verstehen und bezieht Ansichten, Perspektiven, Meinungen, Theorien und Ideale ein. Wenn dieses System funktioniert, ist es im wahrsten Sinne des Wortes wunderbar. Auf der höchsten Ebene erreicht es Rechtes Erkennen (samma ditthi) und ist in der Lage, Begierde in jeder Form zu eliminieren. Allerdings - Begierde stört, quält und zerstört sie. Selbst diese höchste spirituelle Ebene wird durch Begierde in Unordnung gebracht.
http://www.hdamm.de/buddha/buddhadasa.php
|
|
Abschliessend eine Meinung, die sich auf Thailand bezieht und die ich vollinhaltlich stütze, die für mich aber nicht nur für Thailand gilt Thailändischer Buddhismus: |