nach unten

WillkommenNewsagenturenBrennpunkteMenschenrechte Demokratie wagen BRD-Innen

BRD-Am RandD und ArbeitNeoliberalismus

 

 die Sicht und Seiten eines Narren ...

Gut, dass es trotz aller Versuche der USA und ihrer Helfershelfer, davon auch manch Demütige in Deutschland, Menschen zum Schweigen zu bringen, es noch mutige Dichter und Denker  wie Pinter gibt, die solche Reden halten. Diese Rede bleibt länger hier stehen.


Die Rede des englischen Dramatikers und Dichters Harold Pinter anläßlich der Verleihung des diesjährigen Literaturnobelpreises in Stockholm


© Die Nobelstiftung 2005

»Kunst, Wahrheit und Politik«:


1958 schrieb ich folgendes: »Es gibt keine klaren Unterschiede zwischen
dem, was wirklich, und dem, was unwirklich ist, genausowenig wie
zwischen dem, was wahr und dem, was unwahr ist. Etwas ist nicht
unbedingt entweder wahr oder unwahr; es kann beides sein, wahr und
unwahr.«

Ich halte diese Behauptungen immer noch für plausibel und weiterhin
gültig für die Erforschung der Wirklichkeit durch die Kunst. Als Autor
halte ich mich daran, aber als Bürger kann ich das nicht. Als Bürger muß
ich fragen: Was ist wahr? Was ist unwahr?

Die Wahrheit in einem Theaterstück bleibt immer schwer greifbar. Man
findet sie niemals völlig, sucht aber zwanghaft danach. Die Suche ist
eindeutig der Antrieb unseres Bemühens. Die Suche ist unsere Aufgabe.
Meistens stolpert man im Dunkeln über die Wahrheit, kollidiert damit
oder erhascht nur einen flüchtigen Blick oder einen Umriß, der der
Wahrheit zu entsprechen scheint, oftmals ohne zu merken, daß dies
überhaupt geschehen ist. Die echte Wahrheit aber besteht darin, daß sich
in der Dramatik niemals so etwas wie die eine Wahrheit finden läßt. Es
existieren viele Wahrheiten. Die Wahrheiten widersprechen, reflektieren,
ignorieren und verspotten sich, weichen voreinander zurück, sind
füreinander blind. Manchmal spürt man, daß man die Wahrheit eines
Moments in der Hand hält, dann gleitet sie einem durch die Finger und
ist verschwunden.

Man hat mich oft gefragt, wie meine Stücke entstehen. Ich kann es nicht
sagen. Es ist mir auch völlig unmöglich, meine Stücke zusammenzufassen,
ich kann nur sagen, dies ist geschehen. Das haben sie gesagt. Dies haben
sie getan.

Die meisten meiner Stücke entstehen aus einer Textzeile, einem Wort oder
einem Bild. Dem gegebenen Wort folgt oft kurz darauf das Bild. Ich gebe
zwei Beispiele für zwei Zeilen, die mir urplötzlich einfielen, danach
kam das Bild und dann ich.

Es sind die Stücke »Die Heimkehr« und »Alte Zeiten«. Der erste Satz von
»Die Heimkehr« heißt: »Was hast du mit der Schere gemacht?« Das erste
Wort von »Alte Zeiten« lautet: »Dunkel«.

Das war alles, was ich jeweils an Informationen besaß.

Im ersten Fall suchte jemand offenbar eine Schere und wollte von jemand
anders, den er verdächtigte, sie gestohlen zu haben, ihren Verbleib
erfahren. Aber irgendwie wußte ich, daß der angesprochenen Person die
Schere ebenso egal war wie die Person, die danach gefragt hatte.

»Dunkel« verstand ich als Beschreibung der Haare einer Person, der Haare
einer Frau, sowie als Antwort auf eine Frage. In beiden Fällen mußte ich
der Sache nachgehen. Dies geschah visuell, ein sehr langsames
Überblenden vom Schatten ins Licht.

Wenn ich ein Stück beginne, nenne ich die Personen immer A, B und C.

In dem Stück, aus dem »Die Heimkehr« wurde, sah ich einen Mann in ein
kahles Zimmer kommen und seine Frage an einen jüngeren Mann richten, der
auf einem häßlichen Sofa saß und eine Rennzeitung las. Ich ahnte
irgendwie, daß A der Vater und B sein Sohn war, aber ich besaß keinen
Beweis dafür. Meine Vermutung wurde allerdings kurz darauf bestätigt als
B (der spätere Lenny) zu A (dem späteren Max) sagt: »Ich würde jetzt
gerne das Thema wechseln, ja, Dad? Ich möchte dich was fragen. Unser
Essen vorhin, was sollte das darstellen? Wie heißt so was? Warum kaufst
du dir keinen Hund? Der würde so was fressen. Ehrlich. Aber du kochst
hier nicht für ein Rudel Hunde.« Da B also A »Dad« nennt, schien mir die
Annahme vernünftig, daß es sich bei ihnen um Vater und Sohn handelte. A
war auch eindeutig der Koch, dessen Kochkünste offenbar keine hohe
Wertschätzung genossen. Bedeutete das, daß es keine Mutter gab? Ich
wußte es nicht. Aber, so sagte ich mir, anfangs wissen wir nie, worauf
alles hinausläuft.

»Dunkel«. Ein breites Fenster. Abendhimmel. Ein Mann, A (der spätere
Deeley), und eine Frau, B (die spätere Kate), sitzen und trinken. »Dick
oder dünn?« fragt der Mann. Von wem reden sie? Aber dann sehe ich am
Fenster eine Frau, C (die spätere Anna), sie steht in einer anderen
Beleuchtung, mit dem Rücken zu den anderen, ihre Haare sind dunkel.

Es ist ein merkwürdiger Moment, der Moment, in dem man Personen
erschafft, die bis dahin nicht existierten. Was dann kommt, vollzieht
sich sprunghaft, vage, sogar halluzinatorisch, auch wenn es manchmal
einer unaufhaltsamen Lawine gleicht. Der Autor befindet sich in einer
eigenartigen Lage. Die Personen empfangen ihn eigentlich nicht mit
offenen Armen. Die Personen widersetzen sich ihm. Es ist schwierig, mit
ihnen auszukommen, sie zu definieren ist unmöglich. Vorschreiben lassen
sie sich schon gar nichts. In gewisser Weise spielt man mit ihnen ein
endloses Spiel: Katz und Maus, Blindekuh, Verstecken. Aber schließlich
merkt man, daß man es mit Menschen aus Fleisch und Blut zu tun hat, mit
Menschen die einen eigenen Willen und eine individuelle Sensibilität
besitzen und aus Bestandteilen bestehen, die man nicht verändern,
manipulieren oder verzerren kann.

Die Sprache in der Kunst bleibt also eine äußerst vieldeutige
Angelegenheit, Treibsand oder Trampolin, ein gefrorener Teich, auf dem
man, der Autor, jederzeit einbrechen könnte.

Aber wie gesagt, die Suche nach der Wahrheit kann nie aufhören. Man kann
sie nicht vertagen, sie läßt sich nicht aufschieben. Man muß sich ihr
stellen und zwar hier und jetzt.

Politisches Theater stellt einen vor völlig andersartige Probleme.
Moralpredigten gilt es unter allen Umständen zu vermeiden. Objektivität
ist unabdingbar. Die Personen müssen frei atmen können. Der Autor darf
sie nicht einschränken und einengen, damit sie seinen eigenen Vorlieben,
Neigungen und Vorurteilen genügen. Er muß bereit sein, sich ihnen aus
den verschiedensten Richtungen zu nähern, unter allen möglichen
Blickwinkeln, sie vielleicht gelegentlich zu überrumpeln, ihnen aber
trotzdem die Freiheit zu lassen, ihren eigenen Weg zu gehen. Das
funktioniert nicht immer. Und die politische Satire befolgt natürlich
keine dieser Regeln, sie tut tatsächlich das genaue Gegenteil und
erfüllt damit ihre eigentliche Funktion.

In meinem Stück »Die Geburtstagsfeier« lasse ich, glaube ich, in einem
dichten Wald der Möglichkeiten einer ganzen Reihe von Alternativen
Spielraum, bevor schließlich ein Akt der Unterwerfung in den Brennpunkt rückt.

»Berg-Sprache« behauptet einen solchen Spielraum nicht. Das Stück bleibt
brutal, kurz und häßlich. Aber die Soldaten im Stück haben ihren Spaß.
Man vergißt manchmal, daß sich Folterer rasch langweilen. Sie müssen
etwas zu lachen haben, damit ihnen die Lust nicht vergeht. Die
Ereignisse in Abu Ghraib in Bagdad haben das natürlich bestätigt.
»Berg-Sprache« dauert nur 20 Minuten, aber es könnte Stunde um Stunde
immer so weitergehen, nach demselben Muster, immer so weiter, Stunde um Stunde.

»Asche zu Asche« andererseits scheint mir unter Wasser zu spielen. Eine
ertrinkende Frau reckt durch die Wellen die Hand nach oben, sie
versinkt, sucht nach anderen, aber sie findet dort niemanden, weder über
noch unter Wasser, sie findet nur treibende Schatten, Spiegelungen; die
Frau, eine verlorene Gestalt in einer ertrinkenden Landschaft, eine
Frau, die dem Verderben, das nur anderen bestimmt gewesen zu sein
schien, nicht entrinnen kann.

Doch so, wie sie starben, muß auch sie sterben.

Politische Sprache, so wie Politiker sie gebrauchen, wagt sich auf
keines dieser Gebiete, weil die Mehrheit der Politiker, nach den uns
vorliegenden Beweisen, an der Wahrheit kein Interesse hat, sondern nur
an der Macht und am Erhalt dieser Macht. Damit diese Macht erhalten
bleibt, ist es unabdingbar, daß die Menschen unwissend bleiben, daß sie
in Unkenntnis der Wahrheit leben, sogar der Wahrheit ihres eigenen
Lebens. Es umgibt uns deshalb ein weitverzweigtes Lügengespinst, von dem
wir uns nähren.

Wie jeder der hier Anwesenden weiß, lautete die Rechtfertigung für die
Invasion des Irak, Saddam Hussein verfüge über ein hochgefährliches
Arsenal an Massenvernichtungswaffen, von denen einige binnen 45 Minuten
abgefeuert werden könnten, mit verheerender Wirkung. Man versicherte
uns, dies sei wahr. Es war nicht die Wahrheit. Man erzählte uns, der
Irak unterhalte Beziehungen zu Al Qaida und trage Mitverantwortung für
die Greuel in New York am 11. September 2001. Man versicherte uns, dies
sei wahr. Es war nicht die Wahrheit. Man erzählte uns, der Irak bedrohe
die Sicherheit der Welt. Man versicherte uns, es sei wahr. Es war nicht
die Wahrheit.

Die Wahrheit sieht völlig anders aus. Die Wahrheit hat damit zu tun, wie
die Vereinigten Staaten ihre Rolle in der Welt auffassen und wie sie sie
verkörpern wollen.

Doch bevor ich auf die Gegenwart zurückkomme, möchte ich einen Blick auf
die jüngste Vergangenheit werfen; damit meine ich die Außenpolitik der
Vereinigten Staaten seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Ich glaube,
wir sind dazu verpflichtet, diesen Zeitraum zumindest einer gewissen,
wenn auch begrenzten Prüfung zu unterziehen, mehr erlaubt hier die Zeit nicht.

Jeder weiß, was in der Sowjetunion und in ganz Osteuropa während der
Nachkriegszeit passierte: die systematische Brutalität, die weit
verbreiteten Greueltaten, die rücksichtslose Unterdrückung
eigenständigen Denkens. All dies ist ausführlich dokumentiert und belegt worden.

Aber ich behaupte hier, daß die Verbrechen der USA im selben Zeitraum
nur oberflächlich protokolliert, geschweige denn dokumentiert,
geschweige denn eingestanden, geschweige denn überhaupt als Verbrechen
wahrgenommen worden sind. Ich glaube, daß dies benannt werden muß, und
daß die Wahrheit beträchtlichen Einfluß darauf hat, wo die Welt jetzt
steht. Trotz gewisser Beschränkungen durch die Existenz der Sowjetunion
machte die weltweite Vorgehensweise der Vereinigten Staaten ihre
Überzeugung deutlich, für ihr Handeln völlig freie Hand zu besitzen.

Die direkte Invasion eines souveränen Staates war eigentlich nie die
bevorzugte Methode der Vereinigten Staaten. Vorwiegend haben sie den von
ihnen sogenannten Low Intensity Conflict favorisiert. »Low Intensity
Conflict« bedeutet, daß Tausende Menschen sterben, aber langsamer, als
würde man sie auf einen Schlag mit einer Bombe auslöschen. Es bedeutet,
daß man das Herz des Landes infiziert, daß man eine bösartige Wucherung
in Gang setzt und zuschaut, wie der Faulbrand erblüht. Ist die
Bevölkerung unterjocht worden oder totgeprügelt - es läuft auf dasselbe
hinaus - und sitzen die eigenen Freunde, das Militär und die großen
Kapitalgesellschaften, bequem am Schalthebel, tritt man vor die Kamera
und sagt, die Demokratie habe sich behauptet. Das war in den Jahren, auf
die ich mich hier beziehe, gang und gäbe in der Außenpolitik der USA.

Die Tragödie Nicaraguas war ein hochsignifikanter Fall. Ich präsentiere
ihn hier als schlagendes Beispiel für Amerikas Sicht seiner eigenen
Rolle in der Welt, damals wie heute.

Ende der 80er Jahre nahm ich an einem Treffen in der amerikanischen
Botschaft in London teil.

Der Kongreß der Vereinigten Staaten sollte entscheiden, ob man die
Contras in ihrem Feldzug gegen den nicaraguanischen Staat mit mehr Geld
unterstützt. Ich gehörte der Delegation an, die für Nicaragua sprach,
doch das wichtigste Delegationsmitglied war Father John Metcalf. Der
Leiter der amerikanischen Gruppe war Raymond Seitz (damals nach dem
Botschafter die Nummer Zwei, später selber Botschafter). Father Metcalf
sagte: »Sir, ich leite eine Gemeinde im Norden Nicaraguas. Meine
Gemeindeglieder haben eine Schule gebaut, ein medizinisches
Versorgungszentrum, ein Kulturzentrum. Wir haben in Frieden gelebt. Vor
einigen Monaten griffen Contratruppen die Gemeinde an. Sie zerstörten
alles: die Schule, das medizinische Versorgungszentrum, das
Kulturzentrum. Sie vergewaltigten Krankenschwestern und Lehrerinnen,
schlachteten die Ärzte aufs brutalste ab. Sie benahmen sich wie
Berserker. Bitte fordern Sie, daß die US-Regierung diesen empörenden
terroristischen Umtrieben die Unterstützung entzieht.«

Raymond Seitz besaß einen ausgezeichneten Ruf als rationaler,
verantwortungsbewußter und hochkultivierter Mann. Er genoß in
diplomatischen Kreisen großes Ansehen. Er hörte genau zu, zögerte und
sprach dann mit großem Ernst. »Father«, sagte er, »ich möchte Ihnen
etwas sagen. Im Krieg leiden immer Unschuldige.« Es herrschte eisiges
Schweigen. Wir starrten ihn an. Er zuckte nicht einmal mit der Wimper.

In der Tat, Unschuldige leiden immer.

Schließlich sagte jemand: »Aber in diesem Fall waren die >Unschuldigen<
Opfer einer durch Ihre Regierung subventionierten, entsetzlichen
Greueltat, einer von vielen. Sollte der Kongreß den Contras mehr Geld
bewilligen, wird es zu weiteren Greueln kommen. Ist dem nicht so? Macht
sich Ihre Regierung damit nicht der Unterstützung von Mordtaten und
Vernichtungswerken schuldig, begangen an Bürgern eines souveränen
Staates?«

Seitz ließ sich durch nichts erschüttern. »Ich bin nicht der Auffassung,
daß die vorliegenden Fakten Ihre Behauptungen stützen«, sagte er.

Beim Verlassen der Botschaft sagte mir ein US-Berater, er schätze meine
Stücke. Ich reagierte nicht.

Ich darf Sie daran erinnern, daß Präsident Reagan damals folgendes
Statement abgab: »Die Contras stehen moralisch auf einer Stufe mit
unseren Gründervätern.«

Die Vereinigten Staaten unterstützten die brutale Somoza-Diktatur in
Nicaragua über 40 Jahre. Angeführt von den Sandinisten, stürzte das
nicaraguanische Volk 1979 dieses Regime, ein atemberaubender Volksaufstand.

Die Sandinisten waren nicht vollkommen. Auch sie verfügten über eine
gewisse Arroganz, und ihre politische Philosophie beinhaltete eine Reihe
widersprüchlicher Elemente. Aber sie waren intelligent, einsichtig und
zivilisiert. Sie machten sich daran, eine stabile, anständige,
pluralistische Gesellschaft zu gründen. Die Todesstrafe wurde
abgeschafft. Hunderttausende verarmten Bauern wurden quasi ins Leben
zurückgeholt. Über 100000 Familien erhielten Grundbesitz. Zweitausend
Schulen entstanden. Eine äußerst bemerkenswerte
Alphabetisierungskampagne verringerte den Anteil der Analphabeten im
Land auf unter ein Siebtel. Freies Bildungswesen und kostenlose
Gesundheitsfürsorge wurden eingeführt. Die Kindersterblichkeit ging um
ein Drittel zurück. Polio wurde ausgerottet.

Die Vereinigten Staaten denunzierten diese Leistungen als
marxistisch-leninistische Unterwanderung. Aus Sicht der US-Regierung war
dies ein gefährliches Beispiel. Erlaubte man Nicaragua, elementare
Normen sozialer und ökonomischer Gerechtigkeit zu etablieren, erlaubte
man dem Land, den Standard der Gesundheitsfürsorge und des
Bildungswesens anzuheben und soziale Einheit und nationale Selbstachtung
zu erreichen, würden benachbarte Länder dieselben Fragen stellen und
dieselben Dinge tun. Damals regte sich natürlich heftiger Widerstand
gegen den in El Salvador herrschenden Status quo.

Ich erwähnte vorhin das »Lügengespinst«, das uns umgibt. Präsident
Reagan beschrieb Nicaragua meist als »totalitären Kerker«. Die Medien
generell und ganz bestimmt die britische Regierung werteten dies als
zutreffenden und begründeten Kommentar. Aber tatsächlich gab es keine
Berichte über Todesschwadronen unter der sandinistischen Regierung. Es
gab keine Berichte über Folterungen. Es gab keine Berichte über
systematische oder offiziell autorisierte militärische Brutalität. In
Nicaragua wurde nie ein Priester ermordet. Es waren vielmehr drei
Priester an der Regierung beteiligt, zwei Jesuiten und ein Missionar des
Maryknoll-Ordens. Die totalitären Kerker befanden sich eigentlich
nebenan in El Salvador und Guatemala. Die Vereinigten Staaten hatten
1954 die demokratisch gewählte Regierung von Guatemala gestürzt, und
Schätzungen zufolge sollen den anschließenden Militärdiktaturen mehr als
200000 Menschen zum Opfer gefallen sein.

Sechs der weltweit namhaftesten Jesuiten wurden 1989 in der Central
American University in San Salvador von einem Bataillon des in Fort
Benning, Georgia, USA, ausgebildeten Alcatl-Regiments getötet. Der
außergewöhnlich mutige Erzbischof Romero wurde ermordet, als er die
Messe las. Schätzungsweise kamen 75000 Menschen ums Leben. Weshalb
wurden sie getötet? Sie wurden getötet, weil sie ein besseres Leben
nicht nur für möglich hielten, sondern auch verwirklichen wollten.
Dieser Glaube stempelte sie sofort zu Kommunisten. Sie starben, weil sie
es wagten, den Status quo in Frage zu stellen, das endlose Plateau von
Armut, Krankheit, Erniedrigung und Unterdrückung, das ihr Geburtsrecht
gewesen war.

Die Vereinigten Staaten stürzten schließlich die sandinistische
Regierung. Es kostete einige Jahre und beträchtliche Widerstandskraft,
doch gnadenlose ökonomische Schikanen und 30000 Tote untergruben am Ende
den Elan des nicaraguanischen Volkes. Es war erschöpft und erneut
verarmt. Die Casinos kehrten ins Land zurück. Mit dem kostenlosen
Gesundheitsdienst und dem freien Schulwesen war es vorbei. Das Big
Busineß kam mit aller Macht zurück. Die »Demokratie« hatte sich behauptet.

Doch diese »Politik« blieb keineswegs auf Mittelamerika beschränkt. Sie
wurde in aller Welt betrieben. Sie war endlos. Und es ist, als hätte es
sie nie gegeben.


Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs unterstützten die Vereinigten
Staaten jede rechtsgerichtete Militärdiktatur auf der Welt, und in
vielen Fällen brachten sie sie erst hervor. Ich verweise auf Indonesien,
Griechenland, Uruguay, Brasilien, Paraguay, Haiti, die Türkei, die
Philippinen, Guatemala, El Salvador und natürlich Chile. Die Schrecken,
die Amerika Chile 1973 zufügte, können nie gesühnt und nie verziehen werden.

In diesen Ländern hat es Hunderttausende von Toten gegeben. Hat es sie
wirklich gegeben? Und sind sie wirklich alle der US-Außenpolitik
zuzuschreiben? Die Antwort lautet ja, es hat sie gegeben, und sie sind
der amerikanischen Außenpolitik zuzuschreiben. Aber davon weiß man
natürlich nichts.

Es ist nie passiert. Nichts ist jemals passiert. Sogar als es passierte,
passierte es nicht. Es spielte keine Rolle. Es interessierte niemanden.
Die Verbrechen der Vereinigten Staaten waren systematisch, konstant,
infam, unbarmherzig, aber nur sehr wenige Menschen haben wirklich
darüber gesprochen. Das muß man Amerika lassen. Es hat weltweit eine
ziemlich kühl operierende Machtmanipulation betrieben, und sich dabei
als Streiter für das universelle Gute gebärdet. Ein glänzender, sogar
geistreicher, äußerst erfolgreicher Hypnoseakt.

Ich behaupte, die Vereinigten Staaten ziehen die größte Show der Welt
ab, ganz ohne Zweifel. Brutal, gleichgültig, verächtlich und skrupellos,
aber auch ausgesprochen clever. Als Handlungsreisende stehen sie
ziemlich konkurrenzlos da, und ihr Verkaufsschlager heißt Eigenliebe.
Ein echter Renner. Man muß nur all die amerikanischen Präsidenten im
Fernsehen die Worte sagen hören: »das amerikanische Volk«, wie zum
Beispiel in dem Satz: »Ich sage dem amerikanischen Volk, es ist an der
Zeit, zu beten und die Rechte des amerikanischen Volkes zu verteidigen,
und ich bitte das amerikanische Volk, den Schritten ihres Präsidenten zu
vertrauen, die er im Auftrag des amerikanischen Volkes unternehmen wird.«

Ein brillanter Trick. Mit Hilfe der Sprache hält man das Denken in
Schach. Mit den Worten »das amerikanische Volk« wird ein wirklich
luxuriöses Kissen zur Beruhigung gebildet. Denken ist überflüssig. Man
muß sich nur ins Kissen fallen lassen. Möglicherweise erstickt das
Kissen die eigene Intelligenz und das eigene Urteilsvermögen, aber es
ist sehr bequem. Das gilt natürlich weder für die 40 Millionen Menschen,
die unter der Armutsgrenze leben, noch für die zwei Millionen Männer und
Frauen, die in dem riesigen Gulag von Gefängnissen eingesperrt sind, der
sich über die Vereinigten Staaten erstreckt.

Den Vereinigten Staaten liegt nichts mehr am »low intensity conflict«.
Sie sehen keine weitere Notwendigkeit, sich Zurückhaltung aufzuerlegen
oder gar auf Umwegen ans Ziel zu kommen. Sie legen ihre Karten ganz
ungeniert auf den Tisch. Sie scheren sich einen Dreck um die Vereinten
Nationen, das Völkerrecht oder kritischen Dissens, den sie als machtlos
und irrelevant betrachten. Sie haben sogar ein kleines, blökendes
Lämmchen, das ihnen an einer Leine hinterher trottelt, das erbärmliche
und abgeschlaffte Großbritannien.

Was ist aus unserem sittlichen Empfinden geworden? Hatten wir je eines?
Was bedeuten diese Worte? Stehen sie für einen heutzutage äußerst selten
gebrauchten Begriff - Gewissen? Ein Gewissen nicht nur hinsichtlich
unseres eigenen Tuns, sondern auch hinsichtlich unserer gemeinsamen
Verantwortung für das Tun anderer? Ist all das tot? Nehmen wir
Guantánamo Bay. Hunderte Menschen, seit über drei Jahren ohne Anklage in
Haft, ohne gesetzliche Vertretung oder ordentlichen Prozeß, im Prinzip
für immer inhaftiert. Diese absolut rechtswidrige Situation existiert
trotz der Genfer Konvention weiter. Die sogenannte internationale
Gemeinschaft toleriert sie nicht nur, sondern verschwendet auch so gut
wie keinen Gedanken daran. Diese kriminelle Ungeheuerlichkeit begeht ein
Land, das sich selbst zum »Anführer der freien Welt« erklärt. Denken wir
an die Menschen in Guantánamo Bay? Was berichten die Medien über sie?
Sie tauchen gelegentlich auf - eine kleine Notiz auf Seite sechs. Sie
wurden in ein Niemandsland geschickt, aus dem sie womöglich nie mehr
zurückkehren. Gegenwärtig sind viele im Hungerstreik, werden
zwangsernährt, darunter auch britische Bürger. Zwangsernährung ist kein
schöner Vorgang. Weder Beruhigungsmittel noch Betäubung. Man bekommt
durch die Nase einen Schlauch in den Hals gesteckt. Man spuckt Blut. Das
ist Folter. Was hat der britische Außenminister dazu gesagt? Nichts. Was
hat der britische Premierminister dazu gesagt? Nichts. Warum nicht? Weil
die Vereinigten Staaten gesagt haben: Kritik an unserem Vorgehen in
Guantánamo Bay stellt einen feindseligen Akt dar. Ihr seid entweder für
uns oder gegen uns. Also hält Blair den Mund.

Die Invasion des Irak war ein Banditenakt, ein Akt von unverhohlenem
Staatsterrorismus, der die absolute Verachtung des Prinzips von
internationalem Recht demonstrierte. Die Invasion war ein willkürlicher
Militäreinsatz, ausgelöst durch einen ganzen Berg von Lügen und die üble
Manipulation der Medien und somit der Öffentlichkeit; ein Akt zur
Konsolidierung der militärischen und ökonomischen Kontrolle Amerikas im
Mittleren Osten unter der Maske der Befreiung, letztes Mittel, nachdem
alle anderen Rechtfertigungen sich nicht hatten rechtfertigen lassen.
Eine beeindruckende Demonstration einer Militärmacht, die für den Tod
und die Verstümmelung Abertausender Unschuldiger verantwortlich ist.

Wir haben dem irakischen Volk Folter, Splitterbomben, abgereichertes
Uran, zahllose, willkürliche Mordtaten, Elend, Erniedrigung und Tod
gebracht und nennen es »dem Mittleren Osten Freiheit und Demokratie bringen«.

Wie viele Menschen muß man töten, bis man sich die Bezeichnung verdient
hat, ein Massenmörder und Kriegsverbrecher zu sein? Einhunderttausend?
Mehr als genug, würde ich meinen. Deshalb ist es nur gerecht, daß Bush
und Blair vor den Internationalen Strafgerichtshof kommen. Aber Bush war
clever. Er hat den Internationalen Strafgerichtshof gar nicht erst
anerkannt. Für den Fall, daß sich ein amerikanischer Soldat oder auch
ein Politiker auf der Anklagebank wiederfindet, hat Bush damit gedroht,
die Marines in den Einsatz zu schicken. Aber Tony Blair hat den
Gerichtshof anerkannt und steht für ein Gerichtsverfahren zur Verfügung.
Wir können dem Gerichtshof seine Adresse geben, falls er Interesse daran
hat. Sie lautet Number 10, Downing Street, London.

Der Tod spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle. Für Bush und Blair
ist der Tod eine Lappalie. Mindestens 100000 Iraker kamen durch
amerikanische Bomben und Raketen um, bevor der irakische Aufstand
begann. Diese Menschen sind bedeutungslos. Ihr Tod existiert nicht. Sie
sind eine Leerstelle. Sie werden nicht einmal als tot gemeldet. »Leichen
zählen wir nicht«, sagte der amerikanische General Tommy Franks.

Ganz zu Beginn der Invasion veröffentlichten die britischen Zeitungen
auf der Titelseite ein Foto von Tony Blair, der einen kleinen irakischen
Jungen auf die Wange küßt. »Ein dankbares Kind«, lautete die
Überschrift. Einige Tage später gab es auf einer Innenseite einen
Bericht und ein Foto von einem anderen vierjährigen Jungen, ohne Arme.
Eine Rakete hatte seine Familie in die Luft gesprengt. Er war der
einzige Überlebende. »Wann bekomme ich meine Arme wieder?«, fragte er.
Der Bericht wurde nicht weiter verfolgt. Nun, diesen Jungen hielt auch
nicht Tony Blair in den Armen, weder ihn noch sonst ein anderes
verstümmeltes Kind oder irgendeine blutige Leiche. Blut ist schmutzig.
Es verschmutzt einem Hemd und Krawatte, wenn man eine aufrichtige
Ansprache im Fernsehen hält.

Die 2000 toten Amerikaner sind peinlich. Sie werden bei Dunkelheit zu
ihren Gräbern transportiert. Die Beerdigungen finden dezent statt, an
einem sicheren Ort. Die Verstümmelten verfaulen in ihren Betten, manche
für den Rest ihres Lebens. Die Toten und die Verstümmelten verfaulen
beide, nur in unterschiedlichen Gräbern.

Dies ist ein Stück aus einem Gedicht von Pablo Neruda:
»Erklärung einiger Dinge«:

Und eines Morgens brachen die Flammen aus allem,
und eines Morgens stiegen lodernde Feuer
aus der Erde,
verschlangen Leben,
und seither Feuer,
Pulver seither,
und seither Blut.

Banditen mit Flugzeugen und Marokkanern,
Banditen mit Ringen und Herzoginnen,
Banditen mit segnenden schwarzen Mönchen
kamen vom Himmel, um Kinder zu töten,
und durch die Straßen
das Blut der Kinder
floß einfach, wie das Blut von Kindern.

Schakale, widerwärtig für einen Schakal,
Steine, auf die die trockene Distel gespien hätte,
Vipern, die Vipern verachten würden!

Vor euch habe ich das Blut
Spaniens aufwallen gesehn,
euch zu ersäufen in einer einzigen Woge
von Stolz und Messern!

Generäle
Verräter:
seht mein totes Haus,
seht mein zerbrochenes Spanien:
doch aus jedem Haus schießt brennendes Metall
anstelle von Blumen,
aus jedem Loch in Spanien
springt Spanien empor,
aus jedem ermordeten Kind wächst ein Gewehr mit Augen,
aus jedem Verbrechen werden Kugeln geboren,
die eines Tages den Sitz
eines Herzens finden werden.

Ihr fragt, warum seine Dichtung uns nichts
von der Erde erzählt, von den Blättern,
den großen Vulkanen seines Heimatlandes?

Kommt, seht das Blut in den Straßen,
kommt, seht
das Blut in den Straßen,
kommt, seht doch das Blut
in den Straßen! *

 

Ich möchte ganz unmißverständlich sagen, daß ich, indem ich aus Nerudas
Gedicht zitiere, keinesfalls das republikanische Spanien mit dem Irak
Saddam Husseins vergleiche. Ich zitiere Neruda, weil ich nirgendwo sonst
in der zeitgenössischen Lyrik eine so eindringliche, wahre Beschreibung
der Bombardierung von Zivilisten gelesen habe.

Ich sagte vorhin, die Vereinigten Staaten würden ihre Karten jetzt
völlig ungeniert auf den Tisch legen. Dem ist genau so. Ihre offiziell
verlautbarte Politik definiert sich jetzt als »full spectrum dominance«.
Der Begriff stammt nicht von mir, sondern von ihnen. »Full spectrum
dominance« bedeutet die Kontrolle über Land, Meer, Luft und Weltraum
sowie aller zugehörigen Ressourcen.

Die Vereinigten Staaten besitzen, über die ganze Welt verteilt, 702
militärische Anlagen in 132 Ländern, mit der rühmlichen Ausnahme
Schwedens natürlich. Wir wissen nicht ganz genau, wie sie da hingekommen
sind, aber sie sind jedenfalls da.

Die Vereinigten Staaten verfügen über 8000 aktive und operative
Atomsprengköpfe. Zweitausend davon sind sofort gefechtsbereit und können
binnen 15 Minuten abgefeuert werden. Es werden jetzt neue
Nuklearwaffensysteme entwickelt, bekannt als Bunker-Busters. Die stets
kooperativen Briten planen, ihre eigene Atomrakete Trident zu ersetzen.
Wen, frage ich mich, haben sie im Visier? Osama bin Laden? Sie? Mich?
Joe Dokes? China? Paris? Wer weiß das schon? Eines wissen wir
allerdings, nämlich daß dieser infantile Irrsinn - der Besitz und
angedrohte Einsatz von Nuklearwaffen - den Kern der gegenwärtigen
politischen Philosophie Amerikas bildet. Wir müssen uns in Erinnerung
rufen, daß sich die Vereinigten Staaten dauerhaft im Kriegszustand
befinden und mit nichts zu erkennen geben, daß sie diese Haltung aufgeben.

Abertausende, wenn nicht gar Millionen Menschen in den USA sind
nachweislich angewidert, beschämt und erzürnt über das Vorgehen ihrer
Regierung, aber so wie die Dinge stehen, stellen sie keine einheitliche
politische Macht dar - noch nicht. Doch die Besorgnis, Unsicherheit und
Angst, die wir täglich in den Vereinigten Staaten wachsen sehen können,
werden aller Wahrscheinlichkeit nach nicht schwinden.

Ich weiß, daß Präsident Bush zahlreiche ausgesprochen fähige
Redenschreiber hat, aber ich möchte mich freiwillig für den Job melden.
Ich schlage folgende kurze Ansprache vor, die er im Fernsehen an die
Nation halten kann. Ich sehe ihn vor mir: feierlich, penibel gekämmt,
ernst, gewinnend, aufrichtig, oft verführerisch, manchmal mit einem
bitteren Lächeln, merkwürdig anziehend, ein echter Mann.

»Gott ist gut. Gott ist groß. Gott ist gut. Mein Gott ist gut. Bin
Ladens Gott ist böse. Er ist ein böser Gott. Saddams Gott war böse, wenn
er einen gehabt hätte. Er war ein Barbar. Wir sind keine Barbaren. Wir
hacken Menschen nicht den Kopf ab. Wir glauben an die Freiheit. So wie
Gott. Ich bin kein Barbar. Ich bin der demokratisch gewählte Anführer
einer freiheitsliebenden Demokratie. Wir sind eine barmherzige
Gesellschaft. Wir gewähren einen barmherzigen Tod auf dem elektrischen
Stuhl und durch barmherzige Todesspritzen. Wir sind eine große Nation.
Ich bin kein Diktator. Er ist einer. Ich bin kein Barbar. Er ist einer.
Und er auch. Die alle da. Ich besitze moralische Autorität. Seht ihr
diese Faust? Das ist meine moralische Autorität. Und vergeßt das bloß nicht.«

Das Leben eines Schriftstellers ist ein äußerst verletzliches, fast
schutzloses Dasein. Darüber muß man keine Tränen vergießen. Der
Schriftsteller trifft seine Wahl und hält daran fest. Es stimmt jedoch,
daß man allen Winden ausgesetzt ist, und einige sind wirklich eisig. Man
ist auf sich allein gestellt, in exponierter Lage. Man findet keine
Zuflucht, keine Deckung - es sei denn, man lügt - in diesem Fall hat man
sich natürlich selber in Deckung gebracht und ist, so ließe sich
argumentieren, Politiker geworden.

 

Ich habe heute abend etliche Male vom Tod gesprochen. Ich werde jetzt
ein eigenes Gedicht zitieren. Es heißt »Tod«.

Wo fand man den Toten?
Wer fand den Toten?
War der Tote tot, als man ihn fand?
Wie fand man den Toten?

Wer war der Tote?
Wer war der Vater oder die Tochter oder der Bruder
Oder der Onkel oder die Schwester oder die Mutter oder der Sohn
Des toten und verlassenen Toten?

War er tot, als er verlassen wurde?
War er verlassen?
Wer hatte ihn verlassen?
War der Tote nackt oder gekleidet für eine Reise?

Warum haben Sie den Toten für tot erklärt?
Haben Sie den Toten für tot erklärt?
Wie gut haben Sie den Toten gekannt?
Woher wußten sie, daß der Tote tot war?

Haben Sie den Toten gewaschen
Haben Sie ihm beide Augen geschlossen
Haben Sie ihn begraben
Haben Sie ihn verlassen
Haben Sie den Toten geküsst **

 

Blicken wir in einen Spiegel, dann halten wir das Bild, das uns daraus
entgegensieht, für akkurat. Aber bewegt man sich nur einen Millimeter,
verändert sich das Bild. Wir sehen im Grunde eine endlose Reihe von
Spiegelungen. Aber manchmal muß ein Schriftsteller den Spiegel
zerschlagen - denn von der anderen Seite dieses Spiegels blickt uns die
Wahrheit ins Auge.

Ich glaube, daß den existierenden, kolossalen Widrigkeiten zum Trotz die
unerschrockene, unbeirrbare, heftige intellektuelle Entschlossenheit,
als Bürger die wirkliche Wahrheit unseres Lebens und unserer
Gesellschaften zu bestimmen, eine ausschlaggebende Verpflichtung
darstellt, die uns allen zufällt. Sie ist in der Tat zwingend notwendig.


Wenn sich diese Entschlossenheit nicht in unserer politischen Vision
verkörpert, bleiben wir bar jeder Hoffnung, das wiederherzustellen, was
wir schon fast verloren haben - die Würde des Menschen.

* aus Pablo Neruda: »Dritter Aufenthalt auf Erden«, 1937/1947. Übersetzt
von Erich Arendt, in: »Der unsichtbare Fluß - ein Lesebuch«
herausgegeben von Victor Farías. Luchterhand, Hamburg, 1994

** aus Harold Pinter: »Krieg«. Übersetzt von Elisabeth Plessen und Peter
Zadek. Rogner und Bernhard, Hamburg, 2003

© Die Nobelstiftung 2005

(Übersetzung: Michael Walter)
Nachdruck genehmigt für Zeitungen in allen Sprachen nach dem 7. Dezember 2005, 17 Uhr 30 (schwedische Zeit). Jede Veröffentlichung in Zeitschriften oder Büchern, die über eine inhaltliche Zusammenfassung hinausgeht, bedarf der Genehmigung der Stiftung. Alle Veröffentlichungen des gesamten Textes oder größerer Teile des Textes müssen die oben angegebene unterstrichene Copyright-Angabe enthalten.

Nobelprize.org

 

German [pdf]

Es bedarf keiner grossen Anstrengung, die von Pinter genannten USA durch Deutschland zu ersetzen.

 

Die einen reden boesgesinnten Geistes,
die anderen reden stets der Wahrheit treu;
Was man auch sagt, den Narren beruehrts nicht.

 

Gedanken  eines Narren zur  Sozialethik..

Es kann nicht das Ziel eines engagierten Buddhisten sein, zuerst die eigene Erleuchtung zu erreichen, um dann den Menschen zu helfen, sondern ehr gilt, neben der Suche nach der eigenen Verwirklichung oder auch Erleuchtung auch andere zu unterstuetzen, die noch nicht soweit in ihrer Entwicklung sind. Gemeinsames Streben nach mehr Gerechtigkeit und einer neuen sozialen Ethik, oder das Einhalten bereits bestehender ethischen Vorstellungen muss erstes Ziel sein. Zwischenzeitlich wird dem intelligenten Buddhisten schon ab und zu ein Licht aufgehen:-)) Unsere Politiker muessen wieder auf einen gangbaren Weg fuer Alle gebracht werden. Zur Zeit jedenfalls entfernen sich unsere Politiker immer mehr von einer Ethik ueberhaupt, ueberlassen das Feld mehr oder weniger bewusst skupellosen Turbokapitalisten, Spekulanten, Konzernmanagern, etc. Ja sie arbeiten sogar eng mit diesen mir sehr suspekten unverdienten Mitgliedern unserer Gesellschaft zusammen, wohl in der Hoffnung oder sogar Gewissheit bei der Posten,- und Poestchenvergabe nach Beendigung ihrer politischen Laufbahn wohlwollend beruecksichtigt zu werden. So mancher Politiker der mehr Gerechtigkeit versprach fand sich spaeter als Manager in irgendeinem Konzern wieder... Von sozialer Gerechtigkeit war keine Spur mehr bei ihm zu entdecken, nur Streben nach mehr Macht und unethisches Verhalten.. Auf einen kurzen Nenner gebracht:

 Die meisten unserer Politiker taugen nichts, sind Opium fuer das Volk!

 

 

LabourNet Germany:  

Treffpunkt für Ungehorsame, mit und ohne Job, basisnah, gesellschaftskritisch
The meeting point for all left-wing trade unionists, both waged and unwaged
Le point de rencontre de tous les militants syndicaux progressistes, qu`ils aient ou non un emploi
  http://www.labournet.de/
 

 

.....wirklich?

.....Wünschen wir dem Mainstream und uns doch einfach mehr Einsicht in die Dinge, die dieses Land wirklich braucht. Wünschen wir uns, dass dieses Land nicht noch mehr von der Wirtschaft des Landes abhängigen, neuliberalen Politikern, der neureichen Elite, den  korrumpierbaren Wissenschaftlern gegen die Wand gefahren wird. Wünschen wir uns mehr  Gleichheit, Frieden und Freiheit für alle Menschen in diesem Staat.

oder:

 wie dumm oder intelligent sind Deutschlands Bürger wirklich, dass sie sich  eine solche Regierung  leisten!

hier geht's zum IQ-Test.......

oder hier:

http://www.testedich.de/tests/iqtest.php3

hier zu  Pisa-Studien....

oder hier:

http://www.bildungslinks.de/

 

Gebt den Menschen endlich was des Menschen ist, zurück!

wie da wäre: Menschenwürde, Arbeit, soyiale Gerechtigkeit, etc, etc, etc...

gebt den menschneverachtenden Konzernen was der Konzerne , den vor den Konzernen kriechenden Neoliberalen was den Neoliberalen gehört:

Aufgepasst: aus so manchen neoliberalen Politikern wurden in der Vergangenheit schon mal Neofaschisten! Gerne unterstützten sie auch Diktaturen und  Diktatoren, sind bei den Konzernbossen gern gesehene Gäste....

Diejenigen die nichts Anderes wollen, als dass Politiker und die Manager mehr soziale Verantwortung beweisen sollen, beschimpfen die Neoliberalen gerne  als Neider und  Nichtskönner, geborene Verlierer etc, etc, etc.........

glaubtWola der Narr zu wissen!

 

 

Gier regiert die Welt!

...dass wusste der, den sie den Buddha nannten, schon vor 2500 Jahren.....

 

 

Tacheles e.V.

Tacheles - Tipps und Infos zur Sozialhilfe und Arbeitslosenrecht

Arbeitslosenhilfe Online eV - Powered by vBulletin

Arbeitslosen Hilfe Forum Deutschland eV - powered by vBulletin

http://www.arbeitslosen.info/

 

Mittwoch, 15. August 2007

Arme sterben früher
Praxisgebühr schreckt ab


Arme Menschen sterben in Deutschland Studien zufolge früher und gehen seltener zum Arzt. Die Lebenserwartung zwischen dem ärmsten und dem reichsten Viertel der Bevölkerung weiche bei Männern um 14 Jahre voneinander ab.
 
Bei Frauen handele es sich um 8 Jahre, berichtete der Vorsitzende des Vereins Armut und Gesundheit in Deutschland, Gerhard Trabert, in Mainz von den Ergebnissen wissenschaftlicher Untersuchungen.
 
"Eigenleistungen, Zuzahlungen und zusätzliche Hürden im Gesundheitssystem werden wahrscheinlich dazu führen, dass der Abstand noch größer wird", sagte der Obdachlosen-Arzt. Schon heute gingen einer EU-Studie zufolge arme Menschen seit Einführung der Praxisgebühr trotz Beschwerden seltener zum Arzt.
 
Dies gelte auch für Kinder, für die keine Praxisgebühr anfällt. Alleine die Anfahrt zum Arzt sei für die Bezieher von Hartz IV oder Sozialhilfe oft nicht zu bezahlen, schilderte Trabert. Kinder aus solchen Familien litten auch besonders häufig unter mangelhafter Ernährung. "0,55 Euro für ein Frühstück und jeweils 0,98 Euro für Mittag- und Abendessen - von dem Geld kann man sich nicht ausgewogen ernähren", sagte Trabert. Er forderte deshalb für arme Menschen höhere Regelsätze für Essen, kostenlose Schulspeisungen sowie die Befreiung von Eigenleistungen im Gesundheitssystem.

 

Achtung: Manchmal verschwinden Artikel aus Zeitungen, Internet, etc. ganz schnell im  nicht mehr kostenlosen Archiv. Bitte haben sie Verständnis, das es deshalb manchmal zu  Fehlermeldungen kommt. Besuchen Sie dann mal diese Wayback-Maschine, es kann sein, dass diese die Links schon archiviert hat und sie bekommen noch was sie wollten. Früher oder auch später...