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erklaerte der Moench Than Archan dem Schweizer Hans Valentin. Damals verstand dieser den Satz nicht recht. Heute weiss er: Der Buddhismus ist eine Philosophie, keine Religion. Hans kam erstmals vor 24 Jahren in der Schweiz mit dem Buddhismus in Kontakt. Jahre spaeter ging er aus gesundheitlichen Gruenden nach Thailand und lebte hier drei Monate als Prah Kao, das heisst, als Helfer im weissen Gewand, im Wat Asokaram. Der Schweizer ist fest entschlossen, eines Tages als Moench in ein Kloster zu ziehen. Ich fuehlte mich splitternackt, als mich der Moench fragte, ob ich Buddhist sei." Hans Valentin (Name von der Redaktion geaendert) erinnert sich noch ganz genau an seine erste Begegnung mit Than Acharn in der Schweiz, auch wenn sie mittlerweile schon fast 20 Jahre zurueck liegt. "Than Acharn uebte auf mich eine unglaubliche Ausstrahlung aus. Ich sagte ihm, ich glaube an nichts". "Aber du suchst doch etwas!" - mit diesen Worten traf der Moench aus Thailand Hans in der tiefsten Seele. Sie sollten sein Leben von Grund auf veraendern. Heute lebt der Schweizer in Pattaya und ist Buddhist. Sobald er sich bereit dafuer fuehlt, will er fuer unbestimmte Zeit Moench in einem Kloster werden. Herzinfarkt gefaehrdet, extrem aufbrausend, ein Workoholic sei er frueher gewesen. Ich kann ihm kaum glauben. Wir sitzen im Strandcafee, mit leiser, sanfter Stimme erzaehlt der 47-jaehrige. Auf mich wirkt er extrem ausgeglichen, ruhig und zufrieden. Hans Valentin lernte in der Schweiz den Moench Than Archan kennen. Dieser fuehrte ihn zum Buddhismus hin. Erstmals in Kontakt gekommen mit dem Buddhismus war Hans per Zufall im Jahr 1976. Eine Zugfahrt durch die Schweiz, mit im Abteil ein Japaner. Der junge Mann aus Fernost trug einen Walkman, Hans erkundigte sich, welche Musik er hoere. Der Japaner uebergab den Kopfhoerer. Chanting als Meditationshilfe Was der Schweizer zu hoeren bekam, erinnerte ihn entfernt an gregorianischen Chorgesang. Ein monotoner, pausenloser, beruhigender Singsang. Chanting, ein Mittel, das den Moenchen in buddhistischen Kloestern zur Meditation verhilft. "Der Japaner erzaehlte mir ein wenig von der buddhistischen Lehre, und ich stellte fest, dass sie zu 100 Prozent mit meiner persoenlichen Ueberzeugung uebereinstimmte." Es sollten jedoch fast fuenf Jahre vergehen, bis Hans erneut mit dem Buddhismus in Beruehrung kam. Damals hatte er eine thailaendische Freundin, die ihn in der Schweiz eines Tages mit auf ein buddhistisches Fest nahm. "Ich war vor allem beeindruckt von der Einfachheit der Moenche", erinnert er sich und schliesst fuer ein paar Sekunden die Augen, als wuerde er das Szenario noch einmal Revue passieren lassen. "Und dann traf ich auf Than Archan. Der Moench hat mich analytisch total durchleuchtet, mir meine geheimsten Aengste gesagt, obwohl er mich eben erst kennengelernt hatte. Ich war tief beeindruckt." Und wie es der Zufall wollte, trafen die beiden beim thailaendischen Botschafter erneut aufeinander, diesmal lud Hans Than Archan zu sich nach Hause ein. "Du bist schon Buddhist!" Die Worte des Moenches verbluefften den Schweizer zunaechst. Heute gibt er ihm Recht. Wesentlich im Buddhismus ist: Wenn man Gutes tut, kommt Gutes zurueck. Wer Boeses tut, wird frueher oder spaeter dafuer bestraft. Bildlich gesprochen: Paradies und Hoelle sind hier und jetzt. Der Buddhismus sei keine Religion, sondern eine Philosophie, betont Hans immer wieder. Das Faszinierende fuer ihn: Mit einfachen Worten wuerden extrem komplexe Dinge erklaert. Drei Jahre lang traf der Schweizer Tham Archan, sprach mit ihm und uebte Meditiation. Meditiation, so erklaert er mir, sei eine Uebung zur vollkommenen Konzentration, ein totales sich selbst Anschauen. Aus gesundheitlichen Gruenden beschloss Hans schliesslich fuer unbestimmte Zeit nach Thailand zu gehen. "Ich war stark Herzinfarkt gefaehrdet, brauste jedoch bei jeder Kleinigkeit auf. Das war natuerlich Gift fuer meine Gesundheit. In Fernost wollte ich eine Auszeit nehmen." In Bangkok wohnte er zunaechst bei seinem Schwager. Eines Tages lernte er im Wat Asokaram, einem Tempel mit mehr als 2.500 Moenchen und Nonnen, Than Egon kennen. Einen Deutschen, der dort als Moench lebte. Mit ihm verbrachte er taeglich mehrere Stunden, war fasziniert von dessen Einfachheit, Ehrlichkeit und Offenheit. Egon, erfolgreich im Baugeschaeft, war als Sextourist nach Thailand gekommen, lebte sich dementsprechend aus. Eines Tages reiste er nach Chiang Mai, besuchte dort einen Tempel und war von dem Klosterleben so begeistert, dass er buddhistischer Moench wurde. Voller Bewunderung spricht Hans heute noch von Than Egon. "Er wollte, dass auch ich Moench werde, dafuer war ich aber nicht bereit." Helfer im weissen Gewand Stattdessen fasste der Schweizer einen anderen Beschluss: Er kam als Prah Kao, das heisst als Helfer im weissen Gewand, in den Wat Asokaram. Dort erledigte er alltaegliche Arbeiten im Tempel wie Flicken, Kochen und Putzen. Die drei Monate brachten Hans auf seinem persoenlichen Weg weiter: Zum einen lernte er Thai, zum anderen meditierte er taeglich und widmete sich voellig dem Buddhismus. "Ab meiner Zeit als Prah Kao war ich wirklich Buddhist." Nach drei Monaten verliess er den Tempel wieder, ist aber bis heute in Thailand geblieben, nicht mehr nach Europa zurueckgekehrt. Gerade thailaendische Frauen sind glaeubig. Die Frau von Hans wuerde sich geehrt fuehlen, wenn ihr Mann als Moench ins Kloster ginge. Ich frage Hans, ob es im Buddhismus Punkte gebe, die fuer ihn schwer verstaendlich seien. Er streicht sich ueber den Bart, ueberlegt mehrere Sekunden, erklaert mir dann: Die Philosophie an sich sei fuer ihn mit keinerlei Problemen verbunden, jedoch die Art und Weise, wie sie hier in Thailand im Alltag umgesetzt werde. Er nennt mir mehrere Beispiele: Die Ansicht, dass eine Opfergabe genuege, um eine schlechte Tat zu suehnen, statt diese von Vornherein zu unterlassen. Die Praxis der Minizoos in Tempeln: In viel zu engen Kaefigen werden Tiere gehalten, die von den Glaeubigen gekauft und als Opfergabe frei gelassen werden koennen. Vor allem schockiert war Hans, als er eines Tages in Pattaya einen Moench beim Stehlen beobachtete und vom Kloster aus nichts dagegen unternommen wurde. Und er betont, dass sich der Buddhismus vor allem in den Staedten in den vergangenen zehn Jahren stark veraendert hat. Ein wenig ratlos erzaet er mir folgende Geschichte: Im Kloster sah er einen jungen Moench der sich intensiv miteinem Handy beschaeftigte. Zweck des Moenchwerdens ist es, sich von der Aussenwelt zu loesen. Befreit vom Materialismus darf der Moench nur seine Robe, die Almosenschuessel, eine Tasche und einen Sonnenschirm mit Moskitonetz besitzen. Als Hans den jungen Moench auf das Handy ansprach, erhielt er die knappe Antwort, er als Farang verstehe vom Buddhismus nichts. Dem Schweizer persoenlich hat der Buddhismus sehr weiter geholfen. Vor allem hat er gelernt, Gelassenheit zu bewahren: "Frueher war ich extrem explosiv. Heute stelle ich mir, wenn mir etwas nicht gefaellt, zunaechst einmal die Frage, ob ich etwas aendern kann. Kann ich nichts aendern, so rege ich mich erst gar nicht auf! Das hat mir sehr viel Ruhe gegeben, ich bin insgesamt besser im Gleichgewicht." Und wie lebt Hans den Buddhismus nun im Alltag In den Tempel geht er sporadisch, wann immer er das Beduerfnis verspuert. "Der Buddhismus ist eine Philosophie, ich versuche konstant danach zu leben! Sich in Gelassenheit zu ueben und auf das, was man gerade macht, zu konzentrieren, ist das Wesentliche." Hans ist fest entschlossen, eines Tages Moench zu werden. Entweder im Wat Asokaram bei Bangkok oder aber in einem Tempel in den Bergen von Chiang Mai, in dem die Moenche in Hoehlen leben. "Das ist nicht so einfach", erklaert er mir. Er ist inzwischen verheiratet und hat drei Thaimaedchen adoptiert. "Meine Frau sagt zwar, sie fuehlte sich geehrt, wenn ich als Moench ins Kloster ginge. Ich will aber erst fuer die Familie ausreichend vorsorgen. Daher fuehle ich mich noch nicht bereit." Wie lange er ins Kloster ziehen wird, weiss der Schweizer nicht. Fuerr Kinder ist das Klosterleben nicht ganz so streng geregelt wie fuer erwachsene Moenche Der Tagesablauf eines Moenchs wird von vier Handlungen bestimmt: Dem Almosensammeln, der Meditation, den Gebeten und dem Studium. Bei Tagesanbruch zieht er los, um die Opfergaben der Glaeubigen zu sammeln. Fruehaufsteher koennen in Pattaya zwischen zirka 5.30 und 7.30 Uhr bei einem Kaffee beobachten, wie Moenche mit ihrem Almosentopf aus schwarzem Lack durch die Strassen ziehen. Widerspruechlich und reizvoll das Bild, wie sie an den Bars vorbei durch die Walking Street gehen. Die Glaeubigen stehen meist schon bereit und uebergeben ihre Gaben mit einem ehrfuerchtigen Wai. Der Buddhist gibt Almosen in der Hoffnung, dass die Segnung und das Gebet des Moenchs ihm einen gluecklichen Tag bringen. Nach dem Almosensammeln nimmt der Moench seine erste Mahlzeit ein. Er widmet sich anschliessend dem Studium der buddhistischen Lehre oder lernt die Lebensgeschichte des Erleuchteten. Gegen 11 Uhr nehmen die Moenche die zweite und letzte Mahlzeit des Tages zu sich. Anschliessend versammeln sie sich fuer ein bis zwei Stunden zum Chanting (Meditationsgesang). Die Novizen erledigen spaeter einfache Tagesarbeiten, die Moenche ziehen sich zur Ruhe und Meditation zurueck. Am Nachmittag versammelt man sich zum zweiten Chanting und Abendgebet. Nach Sonnenuntergang verlaesst der Moench seine Zelle (Kuthi) nicht mehr. Diese ist karg eingerichtet: bequeme Betten sind nicht erlaubt. Das Leben des Moenchs ist streng geregelt. Waehrend der Buddhist fuenf Regeln zu befolgen hat, sind es fuer den Moench 227. Dazu gehoeren unter anderem: Der Verzicht auf Eigentum, ein striktes Zoellibat, der Grundsatz, dass weder Mensch noch Tier verletzt werden duerfen, und der Verzicht auf Tanz, Rauschmittel und Parfum. aus: Thai-Ticker http://www.list.kbx7.de/list?join=thai-ticker jetzt: www.thai-ticker.com/ |